Monthly Archives: November 2017

…es ist einfach nichts Besonderes passiert…

…daran kann auch der Spaziergang nichts ändern.

26.11.2017 Diese Woche gehört ganz und gar nicht zu den Höhepunkten in meinem Leben. Ich habe nur einmal trainiert, was durchaus ok war, aber dann haben mich einige eher unerfreuliche Termine durchgerüttelt. – Zwar hatte ich gehofft, dass ich dies mit meinem sonntäglichen Spaziergang wieder etwas ausgleichen oder gar ins Positive wenden könnte, aber dem war nicht so.

 

Das Wetter bei meiner Sonntagsrunde war eher kühl und windig. Manchmal konnte ich schon den Winter riechen. Hier also einfach mal nur Fotos von meiner Wanderung.

..sie sind wieder da…

… die Berge an gelbem Laub.

19.11.2017  Der Prater wird aufgeräumt und das erinnert mich daran, dass es etwa ein Jahr her ist, seit ich mit Doz. Valipour die dritte Ventilimplantation beschlossen habe. Und ich bin froh darüber und dankbar, dass er es nochmals versucht hat.

 

Noch etwas hat mich ganz schön gefreut: die vielen Rückmeldungen zu dem kleinen Beitrag anlässlich des Welt-COPD-Tags auf Ö1. Toll, das brachte einige Hundert neue Besucher und deutlich über Tausend Seitenaufrufe – und dass bei einer kleinen privaten Initiative! Vielen Dank für das Interesse!

 

Aber zurück zum Herbstlaub im Prater. Ja, warum dachte ich heute an die Entscheidung für eine dritte Implantation der Ventile? Es war ziemlich kalt und leicht regnerisch, als ich heute losmarschierte, und trotzdem war es einfach gut – das wird mir umso mehr bewusst, wenn ich an den Herbst im Vorjahr denke, da erschien mir die Distanz zwischen den Laubhaufen immer größer zu werden. Von einem zum nächsten dauerte eine gefühlte Ewigkeit, wenn ich es überhaupt ohne Pause schaffte. Da ist es einfach richtig gut, wie sich das jetzt alles anfühlt. Zwar lese ich auch immer wieder in Foren, dass die Methode der Ventilimplantation noch nicht 100%-ig ausgegoren sei, dass es immer wieder Rückschläge gäbe. Ich kann nur sagen, ich bin heilfroh, dass ich es gemacht habe, und wenn nur die Hälfte meiner jetzigen Verfassung mit den Ventilen zu tun hat, jederzeit wieder!

 

Trotzdem habe ich gemerkt, dass der Rückweg heute schwierig und mit einigen Pausen gespickt war, und das wohl nicht nur, weil ich über das letzte Jahr nachgedacht habe. Ich vermute, der Körper muss sich erst an die Jahreszeit, an die kalte Luft gewöhnen.

…Gedanken zum Welt-COPD-Tag…

…ja, den gibt es wirklich, und die Farbe ist Orange.

12.11.2017 Mich interessiert die Frage: Was soll der Welt-COPD-Tag bewirken? Mit dieser Frage bin ich heute durch den Prater gegangen.

 

Und da passierte etwas Seltsames. Es fand wiedermal ein Wettlauf statt, und ich kam gerade in den Zielbereich, als die besten Läufer eintrafen und zum Schlusssprint ansetzten. Normalerweise meide ich diesen Bereich. Aber es war so schön, den Läufern zu zusehen, und ich stand da und begann zu weinen. – Ja, auch das ist eine Auswirkung von COPD. Das Bewusstsein, dass man verschiedene Dinge nicht mehr tun wird können. (In meiner Jugend war ich selbst Leichtathlet und weiß immer noch sehr gut, wie sich richtiges Laufen anfühlt.)

 

In Österreich haben ca. 400.000 Personen COPD. Die Dunkelziffer dürfte doppelt so groß sein. Trotzdem hört man darüber relativ wenig. Ich denke, das liegt einerseits daran, dass die Diagnose COPD 1 und 2 noch nicht allzu schlimm ist. Ach, man wird halt älter … Und vor allem bei leichter COPD 2 verspürt man kaum wirkliche Einschränkungen. Allerdings ist der Schritt zu schwerer COPD 2 oder COPD 3 nur ein kleiner und dann beginnt es mühsam zu werden.

 

Wahrscheinlich ist es auch ein Problem, dass die Krankheit kaum sichtbar wird. Menschen mit schwerer COPD ziehen sich zurück, denn sie können einfach nicht mehr mithalten. Noch schlimmer wird es, wenn die Notwendigkeit einsetzt, zusätzlichen Sauerstoff zu bekommen. Seit ich selber Sauerstoff geliefert bekomme, fällt es mir auf, wenn der Wagen mit der Beschriftung ‚vital air‘ irgendwo steht, und das ist allein in meiner näheren Umgebung ziemlich oft der Fall. Hinter jeder dieser Hausfassaden kämpft ein Mensch, dessen Körper nicht mehr genug Sauerstoff bekommt, täglich um sein Leben. Und dieser Mensch versucht natürlich, seine Kräfte zu schonen, denn die braucht er ja für den Alltag – da ist Spazierengehen oft eher eine Mühsal als eine Freude. Und nach der Sauerstofflieferung hat damit auch die Einsamkeit schon ihren Fuß in der Eingangstür.

 

Oft frage ich mich: Kann ich durch das, was ich hier mit meinem Blog mache, irgend etwas bewirken? Wer wird diesen Blog lesen? Vielleicht Menschen, die bereits COPD haben und deren Angehörige? Vielleicht helfen diesen meine Berichte, zu erkennen, dass sie nicht alleine sind und dass es durchaus Sinn macht, aktiv mit der Krankheit umzugehen. Ja, diese Chance besteht, denke ich, das ist zumindest meine Hoffnung. Aber für eine präventive Wirkung, sprich, dass ich hier Menschen erreiche, die (noch) nicht an COPD erkrankt sind und sie zu einem Umdenken bewegen kann, das ist wohl sehr unwahrscheinlich. Oder?

 

Das gilt sogar für meine Töchter, die genau mitbekommen haben, was passiert, wenn der eigene Vater keine Luft mehr kriegt, wenn im letzten Moment der Notarzt kommt und die Fahrt  auf die Intensivstation eine gefühlte Ewigkeit dauert. Sie rauchen trotzdem.

 

Was kann man tun, damit das Sorgen um deinen eigenen Körper, das Lieben des eigenen Lebens wichtiger wird als der Wunsch nach einer Zigarette? Ich denke, die Grade von COPD kann man nicht anschaulich transportieren, aber vielleicht kann man die Emotion transportieren, was mit einem passiert und wie es einem geht, was man alles nicht mehr tun kann, was einem fehlt,  wenn man so weiter macht. Vielleicht. Das bedeutet jedenfalls, als Betroffener hinaus zu gehen und darüber zu erzählen, Menschen fühlen zu lassen, wie es ist, wenn man traurig ist, weil man weiß, man wird nie wieder wirklich laufen, oder, wie bei mir, auch nie wieder ‚Rock’n’Roll‘, geschweige denn ‚Lindy Hop‘  tanzen. – Ja, das habe ich mir selbst genommen. – So, das waren meine ‚Gedanken zum Sonntag‘.

 

Und nun zum Aufmuntern für alle, die es nicht kennen: Das ist ‚Lindy Hop‘:

https://www.youtube.com/watch?v=ahoJReiCaPk

https://www.youtube.com/watch?v=tCc6ft3xmPs

https://www.youtube.com/watch?v=zpeUnWrteQM

 

Also werde ich weiter über meine Spaziergänge berichten und hoffen, dass das zumindest für den einen oder anderen eine Bereicherung bringen kann. Und ich werde versuchen, in nächster Zeit noch stärker nach außen zu gehen – mal schauen, was mir dazu einfällt.

…alles eitle Wonne Eierkuchen…

…wenn ihr die Fotos des heutigen Blogeintrags seht, werden viele vielleicht sagen, ist das nicht immer das gleiche?

05.11.2017 Ja, es fällt mir manchmal ganz schön schwer, mich nicht zu wiederholen.

 

Ich starte trotzdem damit, zu betonen, wie unglaublich es ist, wieviel ich zurückbekomme oder erleben darf, dadurch, dass ich mich hinaus wage, auch wenn mir nicht immer danach ist.

Das Training am Montag war richtig gut, zwar anstrengend, aber es hat Spaß gemacht. Dann am Mittwoch (das war hier in Österreich ja ein Feiertag) konnte ich meine Tochter am Stadtrand von Wien besuchen (insgesamt 44 km mit dem Rad!) und mit meinem Enkel und dem neuen Familienmitglied, einem kleinen Hund, Zeit verbringen. Ich gebe zu, der Rückweg war durchaus anstrengend. Ich hatte wieder einmal die ganze Strecke über starken Gegenwind und abends wird es auch schon ganz schön kalt. Aber immerhin, ich bin gut nach Hause gekommen und war glücklich, es gemacht zu haben.

Berufsbedingt habe ich es am Freitag nicht geschafft zu trainieren – dafür hat sich meine jüngste Tochter bereit erklärt, mit mir am Sonntag in den Prater zu gehen. Und auch, wenn es nicht immer ganz einfach ist, sie aus dem Bett zu bekommen, freut sie sich dann doch, wieder einmal mit mir unterwegs zu sein – und ich erst! Es ist einfach so viel schöner zu zweit. Diesmal konnte ich während des Gehens hin und wieder sprechen, ihr etwas erzählen. Das ist für mich gar nicht so einfach und mir kam es dann schon mal so vor, als würde meine Tochter versuchen, das Gespräch verebben zu lassen, um mich nicht weiter zu belasten. Ganz offen gesagt, finde ich das zwar süß, aber eigentlich … – nein, ich möchte gefordert werden, und wenn ich stehenbleiben muss, dann tu ich das schon. Vielleicht hat aber auch sie zwischendurch einfach nur die Umgebung genossen, und ich interpretiere das nur hinein.

 

Da bin ich auch schon mittendrin in einem wesentlichen Thema. Einsamkeit und das Gefühl, dem anderen auf den Nerv zu gehen – oder nicht erklären zu können, was eigentlich los ist.

 

Ja, es ist schwierig und unangenehm, dem Gegenüber zu sagen: Sorry, ich atme viel lauter als du, aber dadurch tu ich mir viel leichter, oder: Ja, sorry, bergauf ist für mich sehr schwierig, da beginne ich zu keuchen und muss stehenbleiben, auch wenn ich sonst recht normal aussehe. Lange Zeit bin ich deswegen abends nicht mehr zu Veranstaltungen gegangen, denn jedes Mal lief das auf die gleiche Zeremonie hinaus: Gehen wir noch woanders hin, heißt es dann irgendwann – und ich kann nur sagen: Ja, eh, aber bitte geht voraus, denn ich kann nicht so schnell. Das ist einfach unangenehm und oft wissen die anderen damit nichts anzufangen und fragen dann jedes Mal, wenn man nur etwas lauter atmet, nach: Geht es eh noch? Das nervt.

 

Ich habe keine Patentlösung. Ich weiß, dass mein Atem oft recht laut klingt und sich Menschen umdrehen – was kommt denn da daher? Und man kann ja nicht jedem erklären: Du, ich habe nur so-und-so-viel Lungenvolumen … – Nein.

 

Wichtig ist nicht, was andere denken. Auch wenn es schwierig ist, es geht darum, für sich selbst Sicherheit zu finden. Und ich denke, man sollte das mal alles beiseite lassen, egal, ob laut oder leise, ob erschöpft oder nicht, wenn ich den heutigen Tag zusammenfasse, habe ich zwei Mal sehr viel bekommen. Das eine ist die Zeit mit meiner Tochter und das zweite ist einfach eine Landschaft in einer Farbenpracht, die unglaublich ist. Wenn mich vor wenigen Jahren jemand gefragt hätte, ob ich für möglich halte, das so zu sehen, hätte ich ganz sicher nein gesagt. Doch ja, es ist schön, überwältigend schön und ich möchte dem Raum geben, auch auf die Gefahr hinaus, dass ich mich wiederhole. Gerade, wenn es einem schwer fällt, kann es einem so viel geben. Bitte, probiert es, jeder Meter ist ein Gewinn und wenn es nur in den nächsten Park ist. Bitte, versucht es.