…Gedanken zum Welt-COPD-Tag…

…ja, den gibt es wirklich, und die Farbe ist Orange.

12.11.2017 Mich interessiert die Frage: Was soll der Welt-COPD-Tag bewirken? Mit dieser Frage bin ich heute durch den Prater gegangen.

 

Und da passierte etwas Seltsames. Es fand wiedermal ein Wettlauf statt, und ich kam gerade in den Zielbereich, als die besten Läufer eintrafen und zum Schlusssprint ansetzten. Normalerweise meide ich diesen Bereich. Aber es war so schön, den Läufern zu zusehen, und ich stand da und begann zu weinen. – Ja, auch das ist eine Auswirkung von COPD. Das Bewusstsein, dass man verschiedene Dinge nicht mehr tun wird können. (In meiner Jugend war ich selbst Leichtathlet und weiß immer noch sehr gut, wie sich richtiges Laufen anfühlt.)

 

In Österreich haben ca. 400.000 Personen COPD. Die Dunkelziffer dürfte doppelt so groß sein. Trotzdem hört man darüber relativ wenig. Ich denke, das liegt einerseits daran, dass die Diagnose COPD 1 und 2 noch nicht allzu schlimm ist. Ach, man wird halt älter … Und vor allem bei leichter COPD 2 verspürt man kaum wirkliche Einschränkungen. Allerdings ist der Schritt zu schwerer COPD 2 oder COPD 3 nur ein kleiner und dann beginnt es mühsam zu werden.

 

Wahrscheinlich ist es auch ein Problem, dass die Krankheit kaum sichtbar wird. Menschen mit schwerer COPD ziehen sich zurück, denn sie können einfach nicht mehr mithalten. Noch schlimmer wird es, wenn die Notwendigkeit einsetzt, zusätzlichen Sauerstoff zu bekommen. Seit ich selber Sauerstoff geliefert bekomme, fällt es mir auf, wenn der Wagen mit der Beschriftung ‚vital air‘ irgendwo steht, und das ist allein in meiner näheren Umgebung ziemlich oft der Fall. Hinter jeder dieser Hausfassaden kämpft ein Mensch, dessen Körper nicht mehr genug Sauerstoff bekommt, täglich um sein Leben. Und dieser Mensch versucht natürlich, seine Kräfte zu schonen, denn die braucht er ja für den Alltag – da ist Spazierengehen oft eher eine Mühsal als eine Freude. Und nach der Sauerstofflieferung hat damit auch die Einsamkeit schon ihren Fuß in der Eingangstür.

 

Oft frage ich mich: Kann ich durch das, was ich hier mit meinem Blog mache, irgend etwas bewirken? Wer wird diesen Blog lesen? Vielleicht Menschen, die bereits COPD haben und deren Angehörige? Vielleicht helfen diesen meine Berichte, zu erkennen, dass sie nicht alleine sind und dass es durchaus Sinn macht, aktiv mit der Krankheit umzugehen. Ja, diese Chance besteht, denke ich, das ist zumindest meine Hoffnung. Aber für eine präventive Wirkung, sprich, dass ich hier Menschen erreiche, die (noch) nicht an COPD erkrankt sind und sie zu einem Umdenken bewegen kann, das ist wohl sehr unwahrscheinlich. Oder?

 

Das gilt sogar für meine Töchter, die genau mitbekommen haben, was passiert, wenn der eigene Vater keine Luft mehr kriegt, wenn im letzten Moment der Notarzt kommt und die Fahrt  auf die Intensivstation eine gefühlte Ewigkeit dauert. Sie rauchen trotzdem.

 

Was kann man tun, damit das Sorgen um deinen eigenen Körper, das Lieben des eigenen Lebens wichtiger wird als der Wunsch nach einer Zigarette? Ich denke, die Grade von COPD kann man nicht anschaulich transportieren, aber vielleicht kann man die Emotion transportieren, was mit einem passiert und wie es einem geht, was man alles nicht mehr tun kann, was einem fehlt,  wenn man so weiter macht. Vielleicht. Das bedeutet jedenfalls, als Betroffener hinaus zu gehen und darüber zu erzählen, Menschen fühlen zu lassen, wie es ist, wenn man traurig ist, weil man weiß, man wird nie wieder wirklich laufen, oder, wie bei mir, auch nie wieder ‚Rock’n’Roll‘, geschweige denn ‚Lindy Hop‘  tanzen. – Ja, das habe ich mir selbst genommen. – So, das waren meine ‚Gedanken zum Sonntag‘.

 

Und nun zum Aufmuntern für alle, die es nicht kennen: Das ist ‚Lindy Hop‘:

https://www.youtube.com/watch?v=ahoJReiCaPk

https://www.youtube.com/watch?v=tCc6ft3xmPs

https://www.youtube.com/watch?v=zpeUnWrteQM

 

Also werde ich weiter über meine Spaziergänge berichten und hoffen, dass das zumindest für den einen oder anderen eine Bereicherung bringen kann. Und ich werde versuchen, in nächster Zeit noch stärker nach außen zu gehen – mal schauen, was mir dazu einfällt.

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