Monthly Archives: Dezember 2017

…ein Jahr raus atmen …

…fünf Kilometer lang mit aller Kraft, Wollust, und Lautstärke ungehemmt.

 

31.12.2017

Jetzt weiß der ganze Prater dass ich anders Atme, und dass das auch ganz schön anders klingen kann. – na und? Ich fühl mich besser, Jetzt ist wieder Platz für Neues.

 

Euch allen da, die ihr diesen Blog verfolgt,  alles Liebe und einen guten Rutsch in ein Neues Jahr – Danke für Euer Interesse, bis 2018 – freu mich schon.

PS: An dieser Stelle mal ein ganz herzlicher Dank, an die Personen die im Hintergrund hier unentgeltlich mithelfen, dass es das Projekt überhaupt gibt. DANKE!!!!

…schon lange nicht mehr gemacht…

…heute wollte ich nicht auf Zeit gehen – sondern einfach atmen.

 

25.12.2017  Es ist ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel – also ideal für meine kleine Reise durch den Prater.

 

Ich weiß nicht, ob ich das schon mal gesagt habe, aber ich ’spreche‘ mit meinem Körper, speziell mit meiner Lunge. In diesen Gesprächen versuche ich einerseits, ihr Mut zu machen, und andererseits zu verstehen, was da eigentlich passiert. Und ja, klar, ich bin ein optischer Mensch und benutze Bilder. So wie heute. Ich wandere los und überlege mir, wie es ihr wohl geht – meiner Lunge – wie kann ich ihr helfen, möglichst viel Sauerstoff in Energie umzusetzen?

 

Und da geh ich dann mitten im Prater, umgeben von Bäumen, die ja so gerne als Metapher für die Lunge verwendet werden. Und denke, wenn ich ganz tief einatme und das ganz bewusst mache, erreiche ich immer tiefere Areale/Zweige meiner Lunge – bis hin zum Emphysem oder den schon recht ramponierten Teilen, und ich kann sie mit frischem Sauerstoff umspielen. Ganz egal, ob sie ihn aufnehmen oder nicht – ich kann es probieren.

 

Irgendwie schaffe ich das mit dem Einatmen über die Nase nicht, ich habe einfach das Gefühl, dass wenn ich den Mund weit aufmache, mehr Luft hinein kommt. Auch wenn sie kalt ist, fühlt es sich an, als könnte ich sie besser in die einzelnen Teile meiner Lunge senden.

 

Ich habe das schon lange nicht mehr gemacht. Als meine Ventile (Ventilimplantation) neu waren, habe ich permanent mit meiner Lunge und den betroffenen Teilen gesprochen. Habe ihnen erklärt, dass das schon okay ist, wenn sie sich jetzt mal zur ‚Ruhe‘ setzen und den gesunden Teilen die Arbeit überlassen. Und dann denke ich über meine Ventile nach – ich glaube, Doz. Dr. Valipour würde explodieren, wenn er wüsste, dass ich sie mir ganz einfach als  ‚Rückschlagventile‘ vorstelle. Aber das ist für mich wirklich die einfachste und anschaulichste Variante. Und ich kann meiner Lunge erklären, was passiert, nämlich, dass Luft noch aus den ramponierten Teilen raus, aber nicht mehr rein kann.

 

So gehe ich durch den Prater, atme bewusst ganz tief ein und versuche, auch die zartesten Kanäle zu erreichen, und stelle mir vor, wie die Luft mich durchströmt und Entspannung bringt. Ob das meine Sauerstoffaufnahme wirklich verbessert, kann ich nicht sagen, aber über eine Strecke von fünf Kilometern ganz genau auf meine Atmung zu achten, bringt zumindest für mich ganz sicher etwas.

 

Und dann stehe ich vor einem Baum und denke über das Bild der Lunge nach. Dieser Baum hat Mispeln – sind das seine Emphyseme? Ist das so in meiner Lunge, dass es einfach Teile gibt, die schwer bis gar nicht mehr anzusprechen sind? Wie bei diesem Baum, wo auch ein Gewächs versucht, gewisse Teile zum Absterben zu bringen. – Mit dem Unterschied: Der Baum hat nie geraucht. Egal wie, ich werde versuchen, alle Teile meiner Lunge auch weiterhin mit Sauerstoff zu umspielen, vielleicht schnappt ja der eine oder andere Zweig etwas auf.

 

So wie ich hoffe, dass dieser Blog den einen oder anderen von euch erreicht und eine neue Idee zum Umgang mit der Krankheit COPD geben kann. Auf jeden Fall willkommen im Neuen Jahr!

…ich bin berührt…

…einigen ist offensichtlich aufgefallen,…

17.12.2017

…dass ich letzte Woche keinen Eintrag gemacht habe. Und dass das auch gleich Anlass zur Sorge sein könnte, das hat mich doch sehr überrascht! – Danke, mir geht es gut! Letzten Sonntag war ich zwar im Prater, aber in meiner Rolle als Opa, und da waren die Wege dann eher von Spielplatz zu Spielplatz und keine 10 Kilometer – aber es war wunderschön.

Was ich daraus gelernt habe: Ich werde jede Woche am Montag einen neuen Beitrag schreiben und sei er auch nur kurz – danke für euer Interesse!

Leider habe ich letzte Woche nur einmal trainiert und auch nicht besonders gesund gelebt. Das hat bei mir nicht nur für ein schlechtes Gewissen gesorgt, heute bekam ich auch die Quittung meines Körpers präsentiert: Die heutigen 5 Kilometer gestalteten sich durchaus durchwachsen. Offenbar bin ich es insgesamt zu schnell angegangen und so ging mir zwischendurch immer wieder die Puste aus. Und die Zeit von 55 Minuten war deswegen alles andere als ‚atemberaubend‘.

 

Zwar war es kalt, aber schön – und wenn die Sonne raus kam, sogar zu warm für meine Winterkleidung. Und während ich unterwegs war, fragte ich mich, warum die Lunge ab einer gewissen Belastung zu ermüden beginnt. Denn die Lunge selbst ist ja kein Muskel. Das muss bedeuten, dass das Muskelgewebe rund um die Lunge ermüdet. Diese Muskeln wiederum  müsste man also trainieren können, sodass diese Zeitspanne länger wird.

 

Hier fällt mir immer mein Tai Chi-Lehrer ein, auch wenn das schon lange her ist. Ein kleiner, älterer Chinese, der uns erklärte: Würde der Mensch wirklich seine ganze Lungenkapazität einsetzen (im Verhältnis Lungengröße zu Körpergröße), müsste er länger tauchen können als ein Wal. Ich habe nie nachgerechnet, ob das stimmt. Aber was ganz sicher stimmt, ist, dass dieser alte Mann in aller Ruhe seine Atemübung zu Ende führte, während wir ‚Jungen’ schon längst keine Luft mehr hatten. Das scheint ja bei einem Athleten wie Russell Winwood auch zu  funktionieren, der gerade in Brisbane bei einen Trainingslauf über 10 km eine Zeit von 1:13:31 hingelegt hat. Wie macht der das bitte??? Das erzeugt bei mir wirklich nur mehr Fragezeichen. Übrigens veröffentlicht er eine durchaus hörenswerte Podcast-Reihe (in Englisch).

 

Ich weiß noch aus eigener Erfahrung, dass nach einem 100-Meter-Sprint nicht die Muskulatur ein Thema war, sondern dass man wirklich außer Atem war.

 

Ich kann jetzt nur von mir sprechen, aber beim Atemtraining (Astrapep) bin ich immer wieder überrascht, wie viele offensichtlich kleine Muskeln man ansteuern kann, um ein Spur länger, eine Spur tiefer zu atmen, und wie viel Training nötig ist.

 

Daher mein Credo: Es geht stets darum, durch kontinuierliches Training möglichst viele Muskeln rund um die Lunge zu aktivieren, denn je trainierter die beteiligten Muskeln sind, desto mehr tragen sie dazu bei, auch die Aktivität der Lunge zu verbessern. Ich stelle mir das manchmal als einen kreisförmigen Bereich vor, der sich rund um Lunge und Herz erstreckt, und wenn das eine oder andere in seiner Funktion irgendwie beeinträchtigt ist, muss ich alles rund herum aktivieren und stärken, damit das zentrale Organ seine lebenswichtigen Aufgaben erfüllen kann.

 

Schaut euch einfach mal an, wie viele Atemhilfsmuskeln der Mensch hat, die man normalerweise gar nicht gezielt ansteuert – das zeigt doch eine Menge an Trainingspotential, oder?
http://yuveo.de/muskeln/atemhilfsmuskulatur.html

Und hier noch eine ganz schöne und übersichtliche Erklärung zum Thema, sehr empfehlenswert:
http://yuveo.de/muskeln/atemhilfsmuskulatur.html#Anchor-1031

 

Nun steht Weihnachten vor der Tür und kurz daruf der Jahreswechsel, die Zeit der Rückblicke, und guten Vorsätze.

 

Ich werde auch nächsten Sonntag wieder in den Prater gehen, der nächste Blogbeitrag wird aber erst nach Weihnachten erscheinen. Darum sage ich allen Lesern schon heute: Danke für eure Aufmerksamkeit und ein wunderschönes Fest!

…ja das war knackig…

…kalt und schön.

 

03.12.2017 Wenn es jetzt noch geschneit hätte, wäre es perfekt gewesen. Als ich heute Früh losging, war Hochnebel, die Luft eisig und ein kalter Wind wehte durch die Stadt. Ich muss ja gestehen, ich mag das. Meine Zeit von 50 Minuten für die 5 km war kein Rekord, aber okay, wie überhaupt diese Woche trainingsmäßig in Ordnung war, immerhin nähere ich mich beim Ergometer schon der 30-Minuten-Marke bei 70 Watt, zum Vergleich: Als ich die Reha verließ (Ende Juni 2017), lag ich zwischen 55 und 60 Watt.

 

Bezüglich Winterzeit weiß ich aus diversen Foren, dass sich viele mit der kalten Jahreszeit schwertun oder sie fast gar nicht zu meistern ist.

 

Nun gut, ich habe vor einem Jahr doch etwas in meine Ausrüstung investiert, gefütterte Hose, dicke, winddichte Jacke, winterfestes Schuhwerk und Funktionswäsche. Zugegeben, als ich das erste Mal nach – wie vielen? – Jahren wieder in ein Sportgeschäft ging, war das schon etwas komisch und hat mich Überwindung gekostet. Aber nun bin ich überglücklich, diesen Schritt getan zu haben – da ich nun mit Sicherheit weiß, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. – Also mein Appell: Schenkt euch zu Weihnachten winterfeste Ausrüstung, und dann ab hinaus!

 

Das mit der kalten Luft kann ich nur so beantworten, dass ich glaube, dass sich der Körper einfach an die wechselnden Luftqualitäten gewöhnen muss – und dafür muss er irgendwann mal die Chance bekommen, damit zu beginnen. Ob ein Schal oder – wie es einige machen – ein Strumpf vor dem Mund die richtige Lösung ist, kann ich wirklich nicht beantworten, weil ich es wenn möglich vermeide, da ich dann weniger Luft bekomme.

 

Aber hier vielleicht mal ein paar allgemeine Überlegungen zum Thema ‚Wahrnehmen der Jahreszeiten‘, und vielleicht sind ja ein paar Gedanken brauchbar.

 

Wenn ich mir das so überlege, leben viele Mensche heute in einem Rhythmus, der verhindert, die Unterschiede der Jahreszeiut überhaupt zu erleben, besonders wenn einem nicht der eigene Hund ins Freie treibt. Wir wohnen in klimatisierten Räumen oder zumindest in möglichst auf der gleichen Temperatur gehaltenen, fahren in einem klimatisierten Auto und landen dann an einem klimatisierten Arbeitsplatz oder im Einkaufszentrum. In so einem verflachten Rhythmus ist das Erleben einer für die Jahreszeit typischen Temperatur – egal ob Sommer oder Winter – natürlich eine ungewohnte Herausforderung. Mag sein, dass das überzogen klingt, aber ich denke schon, dass es vielleicht für den Körper leichter ist, mit den Rhythmus der Jahreszeiten mit Regen, Schnee, Sonne … umzugehen und sich darauf einzustellen (zu wachsen), wenn er diesen auch kontinuierlich ausgesetzt wird. Zumindest erlebe ich das so an mir. Und ist es nicht genauso schön, wenn die Sonne im Winter auf Eis und Schnee fällt wie im Sommer auf eine Wasserfläche? Wie auch immer, vielleicht bin ich romantisch veranlagt.

 

Was ich sagen und vermitteln will: Gebt eurem Körper die Chance, mit den Jahreszeiten zu leben, und spürt, wie euch das Erlebnis vielleicht bereichert. Und wie immer, kleine Schritte sind auch Schritte auf dem langen Weg der möglichen Besserung – und bitte Impfungen nicht vergessen!

 

Hier noch zwei Links zum Thema Winter, Wandern (dieser ist in Englisch) und Impfen:

http://www.leichter-atmen.de/atemphysiotherapie/pflege-der-oberen-atemwege-tipps-fuer-den-winter

https://copd.newlifeoutlook.com/safe-walking/?utm_source=Facebook&utm_medium=Social

http://www.leichter-atmen.de/copd-news/patientenratgeber-impfen