…schon lange nicht mehr gemacht…

…heute wollte ich nicht auf Zeit gehen – sondern einfach atmen.

 

25.12.2017  Es ist ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel – also ideal für meine kleine Reise durch den Prater.

 

Ich weiß nicht, ob ich das schon mal gesagt habe, aber ich ’spreche‘ mit meinem Körper, speziell mit meiner Lunge. In diesen Gesprächen versuche ich einerseits, ihr Mut zu machen, und andererseits zu verstehen, was da eigentlich passiert. Und ja, klar, ich bin ein optischer Mensch und benutze Bilder. So wie heute. Ich wandere los und überlege mir, wie es ihr wohl geht – meiner Lunge – wie kann ich ihr helfen, möglichst viel Sauerstoff in Energie umzusetzen?

 

Und da geh ich dann mitten im Prater, umgeben von Bäumen, die ja so gerne als Metapher für die Lunge verwendet werden. Und denke, wenn ich ganz tief einatme und das ganz bewusst mache, erreiche ich immer tiefere Areale/Zweige meiner Lunge – bis hin zum Emphysem oder den schon recht ramponierten Teilen, und ich kann sie mit frischem Sauerstoff umspielen. Ganz egal, ob sie ihn aufnehmen oder nicht – ich kann es probieren.

 

Irgendwie schaffe ich das mit dem Einatmen über die Nase nicht, ich habe einfach das Gefühl, dass wenn ich den Mund weit aufmache, mehr Luft hinein kommt. Auch wenn sie kalt ist, fühlt es sich an, als könnte ich sie besser in die einzelnen Teile meiner Lunge senden.

 

Ich habe das schon lange nicht mehr gemacht. Als meine Ventile (Ventilimplantation) neu waren, habe ich permanent mit meiner Lunge und den betroffenen Teilen gesprochen. Habe ihnen erklärt, dass das schon okay ist, wenn sie sich jetzt mal zur ‚Ruhe‘ setzen und den gesunden Teilen die Arbeit überlassen. Und dann denke ich über meine Ventile nach – ich glaube, Doz. Dr. Valipour würde explodieren, wenn er wüsste, dass ich sie mir ganz einfach als  ‚Rückschlagventile‘ vorstelle. Aber das ist für mich wirklich die einfachste und anschaulichste Variante. Und ich kann meiner Lunge erklären, was passiert, nämlich, dass Luft noch aus den ramponierten Teilen raus, aber nicht mehr rein kann.

 

So gehe ich durch den Prater, atme bewusst ganz tief ein und versuche, auch die zartesten Kanäle zu erreichen, und stelle mir vor, wie die Luft mich durchströmt und Entspannung bringt. Ob das meine Sauerstoffaufnahme wirklich verbessert, kann ich nicht sagen, aber über eine Strecke von fünf Kilometern ganz genau auf meine Atmung zu achten, bringt zumindest für mich ganz sicher etwas.

 

Und dann stehe ich vor einem Baum und denke über das Bild der Lunge nach. Dieser Baum hat Mispeln – sind das seine Emphyseme? Ist das so in meiner Lunge, dass es einfach Teile gibt, die schwer bis gar nicht mehr anzusprechen sind? Wie bei diesem Baum, wo auch ein Gewächs versucht, gewisse Teile zum Absterben zu bringen. – Mit dem Unterschied: Der Baum hat nie geraucht. Egal wie, ich werde versuchen, alle Teile meiner Lunge auch weiterhin mit Sauerstoff zu umspielen, vielleicht schnappt ja der eine oder andere Zweig etwas auf.

 

So wie ich hoffe, dass dieser Blog den einen oder anderen von euch erreicht und eine neue Idee zum Umgang mit der Krankheit COPD geben kann. Auf jeden Fall willkommen im Neuen Jahr!

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