Monthly Archives: Januar 2018

…so kann es auch gehen…

…in kurzer Zeit ohne Puste.

 

28.01.2018 – Heute wollte ich einen neuen Rekord gehen. Und war von Beginn an viel zu schnell. Bereits nach knapp der Hälfte merkte ich, dass ich das Tempo nicht halten kann, da war es aber schon zu spät. Verlangsamen brachte nichts mehr und ich musste stehen bleiben und warten, bis sich meine Atmung wieder normalisiert hatte. Und nach so einer Zwangspause ist es dann  ganz schön schwierig, wieder einen Rhythmus zu finden, der der Tagesverfassung angebracht ist. Schlussendlich schaffte ich meine 5 Kilometer mit matten 55 Minuten.

 

Eigentlich muss ich ja sagen, schon eine blöde Idee, in dickem Wintergewand und mit schweren Wanderschuhen einen Rekord aufstellen zu wollen. Ja, manchmal ist der Verstand noch im Bett, während der Körper im Prater schwitzt. Ich denke, den nächsten Rekordversuch werde ich erst im Frühling starten. Bis dahin frohes Wandern.

…da Haifisch in da Donau…

…oder ein Jahr erfolgreiche Ventilimplantation.

21.01.2018  Sehr genau vor einem Jahr (19.01.2017) hatte ich meine dritte Ventilimplantation, diesmal mit offenbar andauerndem Erfolg. Mir ist klar, dass es im Normalfall nicht notwendig ist, diesen Eingriff dreimal vorzunehmen, sondern es meistens mit dem ersten Mal erledigt ist. Aber offensichtlich kann immer etwas passieren, so wie bspw. ein Pneumothorax vorkommen kann. Was hierbei ganz klar gesagt werden muss: die Schuld an solchen Ereignissen hat niemand.

 

Was das mit einem ‚Haifisch in der Donau‘ zu tun hat? Nun, bei einem der letzten Aufenthalte im Otto-Wagner-Spital saß ich mit meiner Tochter an einem Teich, als sich ein Mann zu uns gesellte, der uns von seiner Welt erzählt und von eben diesem Haifisch in der Donau. Und als ich heute das Otto-Wagner-Spital besuchte, traf ich genau diesen Mann wieder, fast genau an der selben Stelle und er erzählte mir wieder von seinem Leben und dem Haifisch in der Donau. Was diesem Mann während des letzten Jahres passiert ist, weiß ich nicht. Als ich mich verabschiedete, wünschten wir – beinahe wie alte Freunde – einander alles Gute!

 

Für mich ist dieser Ort schon etwas ganz Besonderes, natürlich hat es mit meiner Gesundheit und den verschiedenen Abschnitten zu tun. Den Veränderungen, die ich in meinem Körper spürte, den Gesichtern, die ich noch heute vor Augen habe, den Personen, die ich näher kennen lernen konnte. Wenn ich jetzt sage, ich fühle mich dort wohl, klingt das für so manchen wahrscheinlich komisch, denn kann man sich denn in einem Spital wohlfühlen? Das vielleicht nicht, aber ich weiß, dass die Handelnden hier alles Menschenmögliche getan haben, damit es mir heute um so viel besser geht. Daher mein herzlicher Dank an alle, die daran beteiligt waren.

 

Und natürlich hat es mir auch die Umgebung angetan, die Möglichkeit aus einem Spital sofort in einer riesigen Parkanlage zu sein, umgeben von wunderschönen Gebäuden. Klar ist das wahrscheinlich nicht mehr die effizienteste und wirtschaftlich beste Art, ein Spital zu führen. Den Mehrwert, den ein solcher Rahmen aber zum Beispiel für Patienten wie mich gebracht hat, hat leider noch keiner berechnet.

 

Mir gibt das alles hier so ein Gefühl des Vertrauten, ich kenne durch meine vielen Wanderungen wahrscheinlich wirklich fast alle Ecken, ich habe meine Lieblingsplätze und Wege. Ich kann mich noch gut an meinen ersten ‚Aufstieg‘ zur Otto-Wagner-Kirche erinnern, das war gemeinsam mit meiner Tochter. Damals hatte ich noch 25 % FEV1 – und es war alles andere als lustig. Wenn ich heute dorthin gehe, genieße ich es. Ich kann zwar nicht schnell gehen, aber ich schaffe es in einem durch, und ich habe jetzt einen FEV1-Wert von 37 %.

 

Und wenn ich oben in den Steinhofgründen über Wien sehe, erinnere ich mich, wie stolz ich das erste Mal war, als ich es hierher geschafft hatte. Jetzt stehe ich da, der Schnee fliegt mir in das Gesicht und ich genieße es, all diese Geschichten, all diese Anläufe. Ja, es war richtig. Letztes Jahr war es hier bitterkalt, dagegen ist es heute warm und der Wind treibt kleine Schneeflocken vor sich her. Ich finde, in dem Jahr hat sich viel getan und einige von euch habe diese Veränderung mitgelesen – Danke! Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich auch beschlossen, diesen Blog zu schreiben, in der Hoffnung, Mut zu machen und zu einem aktiven Umgang mit der Krankheit COPD aufzurufen.

 

Heute gibt es daher mal keine Bilder aus dem Prater, sondern vom Otto-Wagner-Spital und den Steinhofgründen. Viel Vergnügen und alles Gute!

 

…und wenn es nur der Seele hilft…

…wandern in einer Landschaft mit Zuckerguss.

 

14.01.2018 – Ich glaube ja, dass das Wahrnehmen von Jahreszeit und Wetter ein wunderbares Mittel gegen Depression ist.

 

Der Prater liegt unter einer dünnen Schneedecke, die Luft ist klar und, wie mir scheint, rein. Auch wenn ich am Anfang wieder etwas Schwierigkeiten habe, in den Rhythmus zu kommen, ist es einfach schön. In vielerlei Hinsicht. Es ist schön, dass es schneit, es ist schön, dass die Luft sich so anders anfühlt, dass die ersten Schneemänner zu sehen sind, und dass ich die ersten Spuren in den frischen Schnee ziehen kann.

 

Wenn mir jemand vor einigen Jahren gesagt hätte dass ich jedes Wochenende zumindest einmal unterwegs sein werde, egal wo, hätte ich ihn wahrscheinlich milde belächelt. Jetzt kann ich mir eine Woche ohne diese Unternehmung gar nicht mehr vorstellen. Da werde ich richtig unrund.

 

Ich glaube, dass es meiner Gesundheit gut tut, meine Runden zu ziehen – aber selbst wenn sich diese dadurch nicht wesentlich etwas ändert, meiner Seele/meinem Gemüt tut es auf jeden Fall gut. Ich beginne genauer auf die Änderungen der Natur zu achten und beobachte die Menschen, die im Prater laufen, auch die verändern sich mit den Jahreszeiten, nur ein paar Fußballfanatiker, die selbst im Schnee noch kicken, sehen aus wie immer. Viele Spielplätze tragen Schneemützen und an den neu montierten Fitnessgeräten hängen die ersten Schneefächer, Kinder entdecken das flaumige Weiß und Hunde toben darin, als wäre für sie Weihnachten und Ostern gleichzeitig.

 

Ich bin einfach fest davon überzeugt, dass das Teilhaben oder Erleben von Jahreszeiten Balsam für die Seele ist, egal ob man sich Stunden oder nur Minuten in der Natur bewegt. Schon der kleinste Moment bewirkt eine Veränderung, man erlebt sich als Teil von etwas, das man Welt und Leben nennt. Und das ist meiner Meinung ganz wichtig. Klar ist es super, wenn man dann auch noch einige Meter zurpck legen kann und sich dabei immer neue Ziele setzt. Aber am wichtigsten ist, dass man es spürt, riecht, sieht …

 

Deswegen hier wieder einmal mein Appell: Warm anziehen und raus, es ist einfach schön! Und in diesem Sinne hier noch einige winterliche Bilder.

…wenn die Atempumpe nicht so recht will…

…leider musste ich öfter Pause machen.

07.01.2018

 

Und dies, obwohl es aus meiner Sicht eigentlich keine Ursache dafür gab. Das nennt man wohl Tagesverfassung.

Nachdem ich mich nun schon des längeren mit der Atmung und ihrer Trainierbarkeit beschäftige, habe ich hierzu nun auch eine interessante Meinung von einer absoluten Expertin bekommen. Dankenswerterweise hat Dr. Elisabeth Czuchajda von der Therme WienMed mir folgende Informationen zum Thema zukommen lassen:


Unsere Atmung wird über die Lunge und die ATEMPUMPE* sichergestellt

 

Einschränkungen des Gasaustausches, der die Lieferung von Sauerstoff (O2) und den Abtransport von Kohlendioxid (CO2) umfasst, können auf Störungen sowohl der Lunge als auch der Atempumpe beruhen.

 

Die Kapazität der Atempumpe ist auch von der Kraft der Atemmuskeln abhängig. Durch die Veränderungen im Rahmen der COPD müssen die Atemmuskeln mehr leisten und ermüden rascher. Als Schutzreaktion des Körpers gegen eine Überlastung der Atempumpe wird in den Lungenbläschen weniger Luft ausgetauscht, was zur Folge hat, dass im Blut zu wenig Sauerstoff aufnommen wird und das Kohlendioxid nur unzureichend abtransportiert werden kann.

 

Man kann die Atemmuskulatur aber trainieren

 

Bei der COPD erfolgt das ATEMMUSKELTRAINING zumeist in Form eines Trainings der Einatemmuskeln (Inspirationsmuskeltraining oder inspiratorisches Atemmuskeltraining). Bei dieser Trainingsmethode zieht man so stark wie möglich an dem Trainingsgerät. Dadurch wird zunächst ein Druck aufgebaut, der zunehmend ansteigt. Wird der am Gerät eingestellte Schwellenwert überschritten, öffnet sich ein Ventil und Luft strömt ein. Aus der statischen Druckerzeugung wird nun eine dynamische, aktive Atemmuskelarbeit.

 

Nähert sich das Einatmen ihrer maximal möglichen Tiefe, nimmt die Kraft oder anders ausgedrückt der Druck ab. Der am Gerät eingestellte Schwellenwert wird unterschritten und das Ventil schließt sich wieder. Es folgt eine kurze statische Druckerzeugung und das Einatmen wird beendet. Dann erfolgt das Ausatmen meistens in das Gerät gegen einen geringen Widerstand, der das Ausatmen unterstützt.

 

Mit dieser Trainingsmethode werden bedeutsame Effekte erzielt. Die Atemnot nimmt ab, die Leistungsfähigkeit steigt und damit nimmt die Lebensqualität zu. Das funktioniert aber NUR bei regelmäßigem Training!

 

Dr. Elisabeth Czuchajda

FA für Innere Medizin (Kardiologie) Therme WienMed


*Atempumpe (Wikipedia): Die Lungenventilation, kurz auch als Ventilation bezeichnet, beschreibt die Atmung in der Bedeutung Lungenbelüftung. Sie wird ermöglicht durch die sogenannte Atempumpe, zu der die Knochen und Gelenke des Brustkorbs, die Atemmuskulatur (insbesondere das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln) und alle weiteren für die Ventilation notwendigen Strukturen zusammengefasst werden.