Monthly Archives: Februar 2018

…strahlender Sonnenschein und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt…

…doch überraschenderweise ging es ganz gut, zumindest beim Hinweg.

 

25.02.2018 – Auf dem Rückweg, gesellte sich dann noch eisiger Gegenwind dazu. Da wurde es kurz recht ungemütlich.

 

Zugegeben, da ich heute wegen eines nachfolgenden Termins früher als sonst raus zu meiner Sonntagsrunde musste, war ich wenig motiviert. Aber dann wurde der Nachmittagstermin abgesagt und konnte zumindest bis kurz nach Neun zuwarten und da war es dann zwar immer noch eisig, aber zumindest lugte die Sonne hervor.

 

Hinzu kommt, dass die vergangene Woche trainingsmäßig nicht gerade ein Highlight war. Aus irgendeinem Grund musste ich das Ausdauertraining (Ergometer) immer wieder abbrechen. Mein Puls galoppierte davon und meine Sauerstoffsättigung fiel trotz 2 Liter Sauerstoff einfach unter 88  – also eher frustrierend.

 

Auch zeigte sich die vergangene Woche ganz stark, wie Unsicherheit, Aufregung, Neues oder Unerwartetes mich atemtechnisch komplett aus der Bahn wirft. Es ist schon beachtlich, wie sehr Dinge funktionieren, wenn sie in den gewohnten Bahnen laufen, dann ist alles überschaubar, aber wehe, es ist eine Kleinigkeit anders, schneller zu erledigen oder gar komplett anders, dann gerate ich atemtechnisch ganz schön ins Schwitzen.

 

Es reicht schon, wenn ich z. B. Dinge, die zerbrechlich sind, aus dem Taxi ausladen und das reativ schnell gehen muss, weil mein Partner meint, er bezahlt schnell die Rechnung und ich kann das erledigen, da werden die paar Meter zum Gehsteig zu einer Challenge. Auch wenn die Schachteln kein Gewicht haben, rein die Tatsache, dass ich das jetzt schnell und sicher erledigen muss, verspannt mich offensichtlich völlig. Sodass ich danach dastehe und nach Luft japse, als hätte ich schwere Koffer schleppen müssen.

 

Oder wenn ich bei einem Termin z. B. vier Personen erwarte und dann sind es zehn und ich muss schnell etwas umgruppieren, damit alle Platz haben, da möchte ich dann nicht, dass alle gleich merken, was los ist, also versuche ich, jemand anderen das Wort zu geben und meinen Atem in der Zwischenzeit zu beruhigen – blöd, wenn das dann erst nicht geht. – Ja, klar ist es besser, von Anfang an klar zu stellen, dass man krank ist, und die Atmung nun mal anders funktioniert, aber muss das wirklich jedes Mal sein?

 

Ich habe hier keine Lösung und schon gar kein Patentrezept. Es geht schlichtweg einfach nicht, immer alles genauestens vorzuplanen. Also mein Vorsatz für die nächsten Überraschungen, vielleicht einfach auch mal gelassener zu werden, denn ist es wirklich so wichtig, ob das Ausladen der Schachteln eine Minute länger dauert? Oder ich bei der Stiege einfach eine Pause einlege? Und ich muss noch klarer sagen: „Ich habe eine Lungenkrankheit, könnten Sie bitte helfen“, oder einfach darauf aufmerksam zu machen, „Kann sein, dass ich etwas lauter atmen muss.“ Anderen können nicht reagieren, wenn sie es nicht wissen, und ich kann nicht mehr mit den anderen so mithalten – ist nun mal so.

 

Und eines ist mir auch aufgefallen: Während ich heute da draußen meine Kilometer abgearbeitet habe, sind mir nicht gar so viele andere Menschen über den Weg gelaufen, – wo die wohl alle waren?

Schöne Woche!

…eine psychisch anstrengende Woche…

…und ein geniales Konzert – so könnte man das zusammenfassen. 

18.02.2018 – Und so in etwa war dann auch mein heutiger Rundgang durch den Prater, anstrengend und trotzdem schön, windig kalt und doch frühlingshaft.

 

Aber ich möchte mich auf einen schönen Moment konzentrieren. Das erwähnte Konzert war eine geballte Ladung an Emotion, von ganz zart bis aufbrausend und wild, von leise bis donnernd, ja jähzornig. Auf jeden Fall eine unglaublich schöne Reise. Und währenddessen überkamen mich einfach die Tränen, nicht vor Trauer, sondern ich war einfach hingerissen von dieser maßlosen Hingabe und Ungeniertheit des Künstlers. Da fragte meine Tochter: „Papa, weinst du!?“  und begann zu lachen. Ja, ich weinte, weil ich zutiefst berührt war. Das ist Teil einer Veränderung.

 

Seit meinen letzten Aufenthalten in der Intensivstation im Februar 2016 hat sich viel verändert, nicht nur körperlich. Eine ganz wesentliche Änderung fand oder findet auf der emotionalen Ebene statt. Manchmal kommt mir vor, dass alles viel intensiver ist und viel ungefilterter einfach durch mich durchmarschiert, egal ob positiv oder negativ. Was ich erlebe und wahrnehme, „fährt einfach vielmehr ein“. Oft gibt es auch Momente, bei denen ich gar nicht sagen könnte, dass etwas Besonderes passiert – und dennoch bin einfach ergriffen und dafür dankbar.

 

Wie äußerst sich das im Alltag? Nun ja, diese Intensität ist sehr oft mit dem Bedürfnis verbunden, einfach zu weinen, und dann steht oder sitzt man irgendwo und fragt sich, wie man seine Tränen verbergen kann, denn Männer weinen doch nicht, und schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. Aber ich glaube, das betrifft nicht nur Männer, auch Frauen vermeiden es, in der Öffentlichkeit zu weinen. Man sitzt da und versucht, sich irgendwie zurückzuhalten, oder wischt permanent unter seiner Brille die Tränen weg und weiß nicht, wohin schauen, damit es andere nicht mitbekommen.

 

Aber jetzt mal ganz ehrlich, was wäre denn eigentlich dabei, die Brille abzunehmen und einfach zu weinen? – Ja, wenn ich überwältigt bin, möchte ich es zulassen zu weinen, weil ich diesen Moment so wunderbar finde – und ja, vielleicht auch, weil ich zutiefst traurig bin – dabei kommt letzteres gar nicht so oft vor wie Gefühle der Dankbarkeit, dass ich diesen Moment noch erleben darf. Denn das ist nicht so selbstverständlich – und überwältigt mich.

 

Tränen sind einfach notwendig, damit ich die Ohnmacht, die dieses Gefühl hervorbringt, überhaupt ertragen kann. Oder ist es einfach die Möglichkeit meines Körpers, mit dem Schock der Intensivstation fertig zu werden?

 

Der Psychologe Werner Ahr sagt: “Viele können Tränen nicht ertragen. Doch die Fähigkeit zum Weinen ist unverzichtbar für das seelische Wohl des Menschen. Und nur wer hin und wieder weint, ist gesund, normal und glücklich.“

 

Ich glaube, dieser Aussage schließe ich mich an.

 

Noch etwas hat sich in meiner Gefühlswelt geändert: die Zeit. Ich habe das Gefühl, noch Zeit zu haben, aber diese sehr genießen zu müssen, sie riechen und schmecken zu können. Das fällt mir immer ganz extrem auf, wenn ich im Prater oder anderswo im Freien unterwegs bin und die Luft so intensiv riecht. Und dass ich dabei gar nichts mache, außer zu riechen und zu schmecken, und nur versuche mir diesen Geschmack/Geruch zu merken, ihn in meiner inneren Datenbank abzuspeichern, um ihn dann beim Training wieder hervorzuholen, das bedeutet für mich Zeit. Zeit, die ich habe. Zum Beispiel auch, um mir Berührungen meines Enkels bewusst einzuprägen, ihnen einfach etwas nachzugehen, das alles sind neue Momente meiner Zeit. Und diese sind mir mittlerweile sehr, sehr wichtig geworden.

 

Vielleicht könnte man sagen, ich lege mir gerade eine Datenbank an Gerüchen, Geschmacksrichtungen, Berührungen, schönen Bildern und schönen Momenten an, um sie bei Bedarf aus meinem Gedächtnis hervorzuholen und mich daran zu erfreuen.

 

Hier mal wieder einfach Bilder meines heutigen Rundganges, auch wenn es zum Schluß sehr frisch war, so hat man am Beginn schon den Frühling gerochen.

…mit den Gedanken irgendwo…

…und dennoch ohne Pause (meine 5km)  in 50 Minuten.

 

11.02.2018 – Strahlender Sonnenschein, wunderbar die Sonne im Gesicht zu spüren. Und das haben sich offensichtlich viele gedacht, und natürlich passend dazu auch die erste Laufanstaltung. Ich denke, das bleibt jetzt so, jeden Sonntag ein Wettrennen.

 

Und ich habe es schon angedeutet, heute war ich mit den Gedanken irgendwo, auch war die Woche sehr durchwachsen, und von einem durchgehenden Training konnte ich nur träumen.  Manchmal ist es einfach so und man muss ich damit abfinden, nur Teile des Trainingsprogrammes zu schaffen. Das spukt dann am Wochenende alles in meinem Kopf herum. Also, auf in eine neue Woche, die hoffentlich etwas kompakter wird.

…hat sie ein Loch?…

…zeigst du mir das? 

 

04.02.2018 – Das war die Reaktion meines Enkels auf meinen Versuch zu erklären, dass meine Lunge nicht mehr ganz so funktioniert, wie sie soll. – Also, wie erklärt man denn das wirklich? Und nicht nur seinem Enkel?

 

Da steht jemand vor dir, der sieht ganz ganz normal aus, dem fehlt nicht offensichtlich etwas, er ist auch nicht etwa durch einen Sauerstoffschlauch eindeutig als krank gekennzeichnet. Ich möchte hier nochmals auf den Artikel in Juttas Blog ‘für einen offenen Umgang mit der Krankheit‘ hinweisen. Könnte dem einem oder anderem helfen.

 

Da gibt es ja dieses oft zitierte Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie müssten durch einen Strohhalm atmen und dabei Stiegen steigen oder den Haushalt machen. Das ist sicher eine anschauliche Idee, aber trotzdem kein Vergleich, denn keiner probiert das für ein paar Stunden oder gar einen ganzen Tag. Ich habe jetzt auch gelesen, dass es Trainingsmasken für Läufer gibt, bei denen man den Luftwiederstand einstellen kann, um dadurch die Atemmuskulatur zu stärken – an den Anblick muss man sich erst noch gewöhnen, angeblich auch an den Tragekomfort.

 

Als ich heute in der Früh losgestartet bin, hatte ich immer noch die Aussage meines Enkels im Ohr. Darum wollte ich mal möglichst genau darauf achten, was mir nun also eigentlich fehlt. – Nun, da ist vor allem das ständige Gefühl, da müsste noch mehr Luft rein gehen. Andererseits heißt es ja, dass zu wenig Luft raus geht. Das verspüre ich wiederum weniger. Im Gesamten aber irgendwie ein Nullsummenspiel. Für einen gesunden Menschen müsste es etwa so sein, als würde jeder Atemzug bei der Hälfte gestoppt – und das andauernd, also halb so viel rein, halb so viel raus. So, kommt mir mir, kann man sich das vorstellen.

 

Tatsache ist, dass egal wie sehr ich mich bemühe Luft rein zu bekommen, es offensichtlich noch deutlich zu wenig ist, und dies schlägt sich dann auf die Sauerstoffsättigung im Blut und damit auf die Leistungsfähigkeit.

 

Und wie fühlt sich eine geringe Sauerstoffsättigung an? Da kann ich wie immer nur von mir sprechen: Ich beginne relativ rasch zittrig und damit verbunden nervös zu werden, ob sich das eh noch ausgeht und sich wieder stabilisiert. Das ist meiner Meinung eine der wirklich unangenehmen Erscheinungen – z. B. wenn ich mich nur ein wenig beeilen muss, um eine Straßenbahn zu erreichen, dann brauche ich bis zur nächsten Station, um meinen Atem und meinen Puls wieder stabil zu bekommen. Auch wenn ich mich wegen etwas aufrege (kann auch eine völlige Kleinigkeit sein), gibt es einen ähnlichen Effekt.

 

Die innere Stressreaktion hängt natürlich auch damit zusammen, dass sich solche Situationen wie ein „Reminder“ in meinen Kopf gebrannt haben. Denn als ich die letzten beiden Male kollabierte und erst auf der Intensivstation wieder zu mir kam, begann es da auch mit genau diesem Zittern, später Vibrieren meines Körper, was mir klar machte, dass mit mir etwas gröber nicht stimmte. Auch das ist etwas, wie mir scheint, was anderen Menschen kaum verständlich ist. Dass man außer Atem kommt und nach Luft schnappen muss, ist nachvollziehbar, das kennt jeder irgendwie, aber ein Zittern?

 

Jeder Körper reagiert auf gröbere Schwankungen in der Sauerstoffsättigung unterschiedlich, zumeist aber sehr empfindlich, denn hier geht es sehr schnell um mehr als nur Atemlosigkeit. Das kann bis zu plötzlicher Ohnmacht führen und dagegen setzt sich der Körper natürlich zur Wehr. ‚Lustig‘ ist, dass sich kein diesbezüglich gesunder Mensch Gedanken über seine Sauerstoffsättigung im Blut macht. Für COPD-Patienten ist das andauernd Thema. Deswegen sollte meiner Meinung nach die regelmäßige Kontrolle inkl. schriftlicher Dokumentation auf der Tagesordnung stehen – wie Zähneputzen. Und das Mitführen eines Oximeters bei anstrengenden Arbeiten oder während des Trainings ein Muss sein.

 

Jetzt bin ich etwas von der Eingangsfrage meines Enkels abgekommen. – Dafür habe ich noch keine Lösung. Ein offensichtlicher Unterschied zu mir besteht darin, dass er, während wir Kilometer weit gehen, wie eine unerschöpfliche Quelle reden und erzählen kann, von großen Abenteuern wie vom üblichen Tagesverlauf, und dabei anscheinend keinen Moment daran denkt, auch nur einmal Luft zu holen. Und es ist wunderschön mit ihm und meinen Töchtern durch den Prater zu wandern und dann auch noch einen Faschingsumzug zum Abschluss präsentiert zu bekommen. Noch dazu mit einer eigenwilligen Aufarbeitung der in Österreich wieder entfachten Debatte zum Thema Gastronomie und Nichtraucherschutz. Also jetzt schnappe ich mal nach Luft und wünsche viel Spaß.