Category Archives: Freude

…ich hab ein knall rotes Gummiboot…

…und mein Fahrrad das kann fliegen.

 

29.04.2018 – Ich habe ja erzählt dass ich immer wieder beim Training in meine Phantasie reise. Auch habe ich immer wieder das Problem, dass mir beim Ausdauertraining mein Puls davon läuft.

 

Letzte Woche konnte ich ihn austricksen, und zwar so richtig.

 

Auf meiner Reise startete ich wieder einmal aus der Vogelperspektive, und flog über die Straßen gleitete in die Kurven, entlang von  steilen Klippen, durch Felstunnel, bis ich wieder auf meinem imaginären Fahrrad saß. Ich habe meist so nach 10 Minuten meine schwierige Bergstrecke zu bewältigen, da geht dann der Puls auch steil bergauf, und die Atmung hat Schwierigkeit den Rhythmus zu finden. Doch diesmal war das Timing perfekt, ich erreichte die Anhöhe noch bevor es richtig anstrengend wurde, dann ging es bergab, ganz leicht mit ganz viel Fahrtwind ruhig hinunter zum Fluss und entlang von Gräsern, Schilf raus auf das Wasser, mit meinem kleinem roten Tretboot. So strample ich der Sonne entgegen. Interfunktionales treten nenn ich das, egal ob als Flugzeug, Fahrrad oder Tretboot, da gibt es sicher noch mehr ‚tretbare‘ Fortbewegungsmittel. Besondere Aufmerksamkeit widmete ich den Umdrehungen, immer wenn der Puls nach oben zu wandern begann, wurde ich langsamer und siehe da der Puls blieb ziemlich konstant im 130er Bereich, so erreichte ich zwar durchgeschwitzt aber glücklich nach 35 Minuten mein Ziel.

 

…eigentlich wollte ich nur Frühstücken fahren…
….aber dann war der Ruf der Sonne doch zu stark.

 

Sonntagmorgen, ab in den Prater (mit einem Lied im Kopf) durch die stille Stadt und die ganze  Hauptallee entlang, einfach herrlich,  in die Sonne blinzeln und frühstücken inklusive. Da konnte ich dann einfach nicht wieder nach Hause fahren. Also, gestärkt und munter ging mein Weg an die Donau, ich wollte eigentlich nur schauen wie viel Gegenwind ich denn wohl hätte. Na ja – schien ja nicht so viel, also hatte ich keinen Grund umzudrehen. Somit wieder einmal ab zum Kraftwerk Freudenau. Und irgendwie bin ich dann doch ganz schön stolz auf mich, wenn ich sehe das gesunde Menschen ihre Fahrräder die Steigung hoch schieben, und ich es schaffe hoch zu fahren, auch wenn ich dann keuche und eine Pause machen muss.

 

Danach zügelte ich allerdings meinen Bewegungsdrang und machte mich doch auf dem Heimweg, was im Endeffekt ganz schön gut war, da zu Hause dann meine Beine dann doch etwas müde waren. Aber es war wunderschön.

 

Hier ein paar Bilder, wünsche viele Sonnenstrahlen und genießt die Zeit.

…auch eine Form von zu Hause…

…nächste Reha hat begonnen.

 

22.04.2018 – Es ist schon schön zu sehen und zu spüren, wenn man willkommen ist. Seit letzter Woche bin ich wieder in der ambulanten Reha in der Therme WienMed in Oberlaa. Daher habe ich heute mal noch keine Geschichte für euch, sondern nur die Fotos vom letzten Radausflug  mit meiner Tochter, der zumindest mir, einen veritablen Sonnenbrand bescherte.

Ps: Es tut einfach gut wieder einmal unter Anleitung in einer Gruppe zu trainieren, und neue Impulse zu bekommen. Natürlich ist es einfach auch dieses … ‚schön Herr Jordan dass sie wieder da sind‘… das gibt schon Kraft, klar ich bin ja mittlerweile schon fast so etwas wie ein ‚Stammgast‘. Und gerade wenn es etwas schwieriger ist, helfen diese Umgebung, die Menschen und auch der Terminplan dann doch, konsequent dabei zu bleiben, auch einmal aus dieser Situation auszusteigen und zumindest zu versuchen für kurze Zeit, ganz beim Training zu sein.

…endlich wieder radfahren…

…natürlich mit einem alten Bekannten…

 

15.04.2018 – Mit Hermann van Veen’s ‚Kleiner Fratz‘ im Kopf geht es los, unbeschwert und Sonne am Kopf und im Herzen. Nach mehr als 30 Kilometer ist dann weder von der Sonne noch von unbeschwert etwas geblieben, sondern die Gewissheit dass ich morgen einen handfesten Muskelkater haben werde,  hat gesiegt. – schön war es trotzdem.

 

Schon bemerkenswert, wie sehr anders sich eine Stadt sonntagmorgens bei schönstem Wetter anfühlt, oder war es einfach ein bisschen Übermut. Wahrscheinlich beides,  irgendwie schläft sie noch und die wenigen die sich auf die Radwege verirren, grinsen ebenso dämlich vor sich hin wie ich. Muss die Frühlingsdroge sein die in der Luft liegt.

 

Nach meinem Frühstückstop und der ersten kleineren bergauf Strecke, traf ich auf einen alten Bekannten, meinen geliebten Gegenwind. Der scheint einfach an der Donau beheimatet zu sein, und darauf zu warten dass ich komme. Da bemerkte ich doch, dass ich schon länger nicht mehr im realen Leben Rad gefahren bin, und meine Muskeln doch etwas mehr beansprucht werden. Interessanter Weise war es tatsächlich nicht so sehr die Luft die fehlte, als wirklich die Muskulatur meiner Beine. Und irgendwann war dann doch die Frage ob dies so eine gute Idee war, da noch die ganze Retourstrecke anstand. Aber was soll es, auf der Donauinsel gibt es keinen Shuttleservice. Also durch da, die letzten Kilometer schmerzten meine Beine dann doch einigermaßen, vor allem, nachdem es nur mehr ‚bergauf‘ ging. – geschafft habe ich es trotzdem und weiß nun, dass da schon noch einiges an Training von Nöten ist.

 

 

Ps. Die Lösung für das Rätsel der Blumen vom letzten Mal – diese rosa Blumen heißen Schuppenwurz! die Schuppenwurz zapft mit ihren Saugwurzeln die Wurzeln ausdauernder Pflanzen,  hauptsächlich Erle, Hasel, Pappel an und entzieht diesen Wasser, Nährsalze und organische Substanzen. Sie ist somit ein Vollschmarotzer, braucht kein Sonnenlicht und kann im dunklen Wald wachsen.

…da hat der Osterhase etwas versteckt…

…in 3 Tagen feiert myCOPD-Blog den ersten Geburtstag.

01.04.2018 – aus diesem Grunde etwas Besonderes, eine kleine Zeitreise viel Vergnügen.

 

Im Winter 2017 habe ich beschlossen diesen Blog zu schreiben, und begonnen meine Rundgänge fotografisch zu dokumentieren. Die ersten Fotos und Blogbeiträge entstanden am 29.01.2017 und am 04.04.2017 ist www.myCOPD-Blog dann online gegangen, in dem kleinen Film kommt natürlich der Sommer etwas zu kurz da ich da doch öfter mit dem Fahrrad unterwegs war.

 

Ich möchte mich bei allen bedanken die mich bei diesen Tätigkeiten begleiten und unterstürzen. Und natürlich auch bei Euch allen die Ihr lest, abonniert, liked und kommentiert, – Danke.

…wenn das Training richtig gut tut…

…ist es einfach ein geiles Gefühl.

 

18.03.2018 – Es gibt Tage, da macht mir das Training einfach richtig Spaß und ich habe das Gefühl dass etwas weiter geht.

 

Letzte Woche war so eine Woche, bereits beim Atemtraining (bei mir mit Astra Pep) konnte ich den Wert den ich in letzter Zeit immer nur teilweise erreicht habe über die ganzen 15 Mal halten, was mich sehr gefreut hat. Hier hilft mir einfach auch immer die Vorstellungskraft, wo noch Atemhilfsmuskeln sind, und manchmal auch das Bild wie sich meine Lunge ausdehnen kann. Unabhängig davon spreche ich beim Training die ganze Zeit mit meinem Körper, lobe ihn feuere ihn an …, mir hilft es,  denke ich zumindest.

 

Dann beim Ergometer, habe ich mir schon im Vorfeld vorgenommen einen neuen Rekord aufzustellen. Und es hat geklappt, und ich muss gestehen ich mag ja dieses Gefühl, wenn ich mich voll auf die Gleichmäßigkeit meiner Atmung und der Beine konzentrieren kann und vor meinem inneren Auge ein Film abläuft, der mir ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert. Ob das wirklich so ist weiß ich nicht, aber es spürt sich so an. Ich muss auch sagen, dass ich sicher die Hälfte der Trainingszeit die Augen zu habe, und mir irgendwelche Landschaften vorstelle, oder dass mich meine Tochter begleitet. Einen besonderen  Trick habe ich mir angewöhnt, immer wenn es sehr schwierig wird, hole ich mir im Gedanken Russel Winwood als Trainingspartner – und das hilft dann um über solche Phasen zu kommen.  Wenn das Ausdauertraining geschafft ist, ist für mich zumindest schon drei viertel gewonnen.  Denn beim Krafttraining kann eigentlich nicht viel schief gehen. Außer dass es etwas zieht und schmerzt (nicht im negativen Sinn), das mag ich sogar, – aber vielleicht ticke ich da auch etwas seltsam. Ich muss hier einfügen als Jugendlicher habe ich mal eine Zeit lang doch sehr intensiv Leistungssport betrieben, und wie ein Freund meinte, ‚…wahrscheinlich kann dein Körper diese Informationen wieder abrufen…‘ – schon möglich. Ich geniere mich auch nicht laut mit zu zählen, das hilft, und stört ja niemand, und ich weiß ja dass diese Anstrengung ja nur zeitlich begrenzt ist.

 

Und für mich natürlich der angenehmste Teil, ist die Beweglichkeit, das ist eher dann immer einfach so ein Ausklang.

 

Und so sind dann bald mal knappe 3 Stunden um, und manchmal bin ich dann so richtig zufrieden mit mir. So wie letzte Woche ?;-)

 

Und gestern benötigte ich dann echt einen Kran um überhaupt aus dem Bett zu kommen und der Blick aus dem Fenster, trieb mich gedanklich sofort wieder dorthin zurück. Schneegestöber anstatt Frühling, und der Wind verhieß auch nicht gerade ein laues Lüftchen.

 

Ja diesmal viel es mir wirklich extrem schwer, mich zu einem Rundgang durch den Prater zu animieren. Gedanklich bin ich, glaube ich, 10 Mal umgedreht, und erst gar nicht aus dem Haus gegangen. Abgefunden habe ich mich erst als ich schon Mitte auf der Strecke war, und der Gedanke des umdrehens nicht mehr wirklich Sinn machte. Also ja ich bin gegangen aber Spaß hat das heute leider keinen gemacht. Ich habe einfach das Gefühl es ist jetzt schon wirklich genug mit Winter – also hoffentlich wird es bald wirklich Frühling, mit Blüten und Vogelgezwitscher und so… – in diesem Sinne eine schöne Woche.

…eine psychisch anstrengende Woche…

…und ein geniales Konzert – so könnte man das zusammenfassen. 

18.02.2018 – Und so in etwa war dann auch mein heutiger Rundgang durch den Prater, anstrengend und trotzdem schön, windig kalt und doch frühlingshaft.

 

Aber ich möchte mich auf einen schönen Moment konzentrieren. Das erwähnte Konzert war eine geballte Ladung an Emotion, von ganz zart bis aufbrausend und wild, von leise bis donnernd, ja jähzornig. Auf jeden Fall eine unglaublich schöne Reise. Und währenddessen überkamen mich einfach die Tränen, nicht vor Trauer, sondern ich war einfach hingerissen von dieser maßlosen Hingabe und Ungeniertheit des Künstlers. Da fragte meine Tochter: „Papa, weinst du!?“  und begann zu lachen. Ja, ich weinte, weil ich zutiefst berührt war. Das ist Teil einer Veränderung.

 

Seit meinen letzten Aufenthalten in der Intensivstation im Februar 2016 hat sich viel verändert, nicht nur körperlich. Eine ganz wesentliche Änderung fand oder findet auf der emotionalen Ebene statt. Manchmal kommt mir vor, dass alles viel intensiver ist und viel ungefilterter einfach durch mich durchmarschiert, egal ob positiv oder negativ. Was ich erlebe und wahrnehme, „fährt einfach vielmehr ein“. Oft gibt es auch Momente, bei denen ich gar nicht sagen könnte, dass etwas Besonderes passiert – und dennoch bin einfach ergriffen und dafür dankbar.

 

Wie äußerst sich das im Alltag? Nun ja, diese Intensität ist sehr oft mit dem Bedürfnis verbunden, einfach zu weinen, und dann steht oder sitzt man irgendwo und fragt sich, wie man seine Tränen verbergen kann, denn Männer weinen doch nicht, und schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. Aber ich glaube, das betrifft nicht nur Männer, auch Frauen vermeiden es, in der Öffentlichkeit zu weinen. Man sitzt da und versucht, sich irgendwie zurückzuhalten, oder wischt permanent unter seiner Brille die Tränen weg und weiß nicht, wohin schauen, damit es andere nicht mitbekommen.

 

Aber jetzt mal ganz ehrlich, was wäre denn eigentlich dabei, die Brille abzunehmen und einfach zu weinen? – Ja, wenn ich überwältigt bin, möchte ich es zulassen zu weinen, weil ich diesen Moment so wunderbar finde – und ja, vielleicht auch, weil ich zutiefst traurig bin – dabei kommt letzteres gar nicht so oft vor wie Gefühle der Dankbarkeit, dass ich diesen Moment noch erleben darf. Denn das ist nicht so selbstverständlich – und überwältigt mich.

 

Tränen sind einfach notwendig, damit ich die Ohnmacht, die dieses Gefühl hervorbringt, überhaupt ertragen kann. Oder ist es einfach die Möglichkeit meines Körpers, mit dem Schock der Intensivstation fertig zu werden?

 

Der Psychologe Werner Ahr sagt: “Viele können Tränen nicht ertragen. Doch die Fähigkeit zum Weinen ist unverzichtbar für das seelische Wohl des Menschen. Und nur wer hin und wieder weint, ist gesund, normal und glücklich.“

 

Ich glaube, dieser Aussage schließe ich mich an.

 

Noch etwas hat sich in meiner Gefühlswelt geändert: die Zeit. Ich habe das Gefühl, noch Zeit zu haben, aber diese sehr genießen zu müssen, sie riechen und schmecken zu können. Das fällt mir immer ganz extrem auf, wenn ich im Prater oder anderswo im Freien unterwegs bin und die Luft so intensiv riecht. Und dass ich dabei gar nichts mache, außer zu riechen und zu schmecken, und nur versuche mir diesen Geschmack/Geruch zu merken, ihn in meiner inneren Datenbank abzuspeichern, um ihn dann beim Training wieder hervorzuholen, das bedeutet für mich Zeit. Zeit, die ich habe. Zum Beispiel auch, um mir Berührungen meines Enkels bewusst einzuprägen, ihnen einfach etwas nachzugehen, das alles sind neue Momente meiner Zeit. Und diese sind mir mittlerweile sehr, sehr wichtig geworden.

 

Vielleicht könnte man sagen, ich lege mir gerade eine Datenbank an Gerüchen, Geschmacksrichtungen, Berührungen, schönen Bildern und schönen Momenten an, um sie bei Bedarf aus meinem Gedächtnis hervorzuholen und mich daran zu erfreuen.

 

Hier mal wieder einfach Bilder meines heutigen Rundganges, auch wenn es zum Schluß sehr frisch war, so hat man am Beginn schon den Frühling gerochen.

…da Haifisch in da Donau…

…oder ein Jahr erfolgreiche Ventilimplantation.

21.01.2018  Sehr genau vor einem Jahr (19.01.2017) hatte ich meine dritte Ventilimplantation, diesmal mit offenbar andauerndem Erfolg. Mir ist klar, dass es im Normalfall nicht notwendig ist, diesen Eingriff dreimal vorzunehmen, sondern es meistens mit dem ersten Mal erledigt ist. Aber offensichtlich kann immer etwas passieren, so wie bspw. ein Pneumothorax vorkommen kann. Was hierbei ganz klar gesagt werden muss: die Schuld an solchen Ereignissen hat niemand.

 

Was das mit einem ‚Haifisch in der Donau‘ zu tun hat? Nun, bei einem der letzten Aufenthalte im Otto-Wagner-Spital saß ich mit meiner Tochter an einem Teich, als sich ein Mann zu uns gesellte, der uns von seiner Welt erzählt und von eben diesem Haifisch in der Donau. Und als ich heute das Otto-Wagner-Spital besuchte, traf ich genau diesen Mann wieder, fast genau an der selben Stelle und er erzählte mir wieder von seinem Leben und dem Haifisch in der Donau. Was diesem Mann während des letzten Jahres passiert ist, weiß ich nicht. Als ich mich verabschiedete, wünschten wir – beinahe wie alte Freunde – einander alles Gute!

 

Für mich ist dieser Ort schon etwas ganz Besonderes, natürlich hat es mit meiner Gesundheit und den verschiedenen Abschnitten zu tun. Den Veränderungen, die ich in meinem Körper spürte, den Gesichtern, die ich noch heute vor Augen habe, den Personen, die ich näher kennen lernen konnte. Wenn ich jetzt sage, ich fühle mich dort wohl, klingt das für so manchen wahrscheinlich komisch, denn kann man sich denn in einem Spital wohlfühlen? Das vielleicht nicht, aber ich weiß, dass die Handelnden hier alles Menschenmögliche getan haben, damit es mir heute um so viel besser geht. Daher mein herzlicher Dank an alle, die daran beteiligt waren.

 

Und natürlich hat es mir auch die Umgebung angetan, die Möglichkeit aus einem Spital sofort in einer riesigen Parkanlage zu sein, umgeben von wunderschönen Gebäuden. Klar ist das wahrscheinlich nicht mehr die effizienteste und wirtschaftlich beste Art, ein Spital zu führen. Den Mehrwert, den ein solcher Rahmen aber zum Beispiel für Patienten wie mich gebracht hat, hat leider noch keiner berechnet.

 

Mir gibt das alles hier so ein Gefühl des Vertrauten, ich kenne durch meine vielen Wanderungen wahrscheinlich wirklich fast alle Ecken, ich habe meine Lieblingsplätze und Wege. Ich kann mich noch gut an meinen ersten ‚Aufstieg‘ zur Otto-Wagner-Kirche erinnern, das war gemeinsam mit meiner Tochter. Damals hatte ich noch 25 % FEV1 – und es war alles andere als lustig. Wenn ich heute dorthin gehe, genieße ich es. Ich kann zwar nicht schnell gehen, aber ich schaffe es in einem durch, und ich habe jetzt einen FEV1-Wert von 37 %.

 

Und wenn ich oben in den Steinhofgründen über Wien sehe, erinnere ich mich, wie stolz ich das erste Mal war, als ich es hierher geschafft hatte. Jetzt stehe ich da, der Schnee fliegt mir in das Gesicht und ich genieße es, all diese Geschichten, all diese Anläufe. Ja, es war richtig. Letztes Jahr war es hier bitterkalt, dagegen ist es heute warm und der Wind treibt kleine Schneeflocken vor sich her. Ich finde, in dem Jahr hat sich viel getan und einige von euch habe diese Veränderung mitgelesen – Danke! Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich auch beschlossen, diesen Blog zu schreiben, in der Hoffnung, Mut zu machen und zu einem aktiven Umgang mit der Krankheit COPD aufzurufen.

 

Heute gibt es daher mal keine Bilder aus dem Prater, sondern vom Otto-Wagner-Spital und den Steinhofgründen. Viel Vergnügen und alles Gute!

 

…ein Jahr raus atmen …

…fünf Kilometer lang mit aller Kraft, Wollust, und Lautstärke ungehemmt.

 

31.12.2017

Jetzt weiß der ganze Prater dass ich anders Atme, und dass das auch ganz schön anders klingen kann. – na und? Ich fühl mich besser, Jetzt ist wieder Platz für Neues.

 

Euch allen da, die ihr diesen Blog verfolgt,  alles Liebe und einen guten Rutsch in ein Neues Jahr – Danke für Euer Interesse, bis 2018 – freu mich schon.

PS: An dieser Stelle mal ein ganz herzlicher Dank, an die Personen die im Hintergrund hier unentgeltlich mithelfen, dass es das Projekt überhaupt gibt. DANKE!!!!

…schon lange nicht mehr gemacht…

…heute wollte ich nicht auf Zeit gehen – sondern einfach atmen.

 

25.12.2017  Es ist ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel – also ideal für meine kleine Reise durch den Prater.

 

Ich weiß nicht, ob ich das schon mal gesagt habe, aber ich ’spreche‘ mit meinem Körper, speziell mit meiner Lunge. In diesen Gesprächen versuche ich einerseits, ihr Mut zu machen, und andererseits zu verstehen, was da eigentlich passiert. Und ja, klar, ich bin ein optischer Mensch und benutze Bilder. So wie heute. Ich wandere los und überlege mir, wie es ihr wohl geht – meiner Lunge – wie kann ich ihr helfen, möglichst viel Sauerstoff in Energie umzusetzen?

 

Und da geh ich dann mitten im Prater, umgeben von Bäumen, die ja so gerne als Metapher für die Lunge verwendet werden. Und denke, wenn ich ganz tief einatme und das ganz bewusst mache, erreiche ich immer tiefere Areale/Zweige meiner Lunge – bis hin zum Emphysem oder den schon recht ramponierten Teilen, und ich kann sie mit frischem Sauerstoff umspielen. Ganz egal, ob sie ihn aufnehmen oder nicht – ich kann es probieren.

 

Irgendwie schaffe ich das mit dem Einatmen über die Nase nicht, ich habe einfach das Gefühl, dass wenn ich den Mund weit aufmache, mehr Luft hinein kommt. Auch wenn sie kalt ist, fühlt es sich an, als könnte ich sie besser in die einzelnen Teile meiner Lunge senden.

 

Ich habe das schon lange nicht mehr gemacht. Als meine Ventile (Ventilimplantation) neu waren, habe ich permanent mit meiner Lunge und den betroffenen Teilen gesprochen. Habe ihnen erklärt, dass das schon okay ist, wenn sie sich jetzt mal zur ‚Ruhe‘ setzen und den gesunden Teilen die Arbeit überlassen. Und dann denke ich über meine Ventile nach – ich glaube, Doz. Dr. Valipour würde explodieren, wenn er wüsste, dass ich sie mir ganz einfach als  ‚Rückschlagventile‘ vorstelle. Aber das ist für mich wirklich die einfachste und anschaulichste Variante. Und ich kann meiner Lunge erklären, was passiert, nämlich, dass Luft noch aus den ramponierten Teilen raus, aber nicht mehr rein kann.

 

So gehe ich durch den Prater, atme bewusst ganz tief ein und versuche, auch die zartesten Kanäle zu erreichen, und stelle mir vor, wie die Luft mich durchströmt und Entspannung bringt. Ob das meine Sauerstoffaufnahme wirklich verbessert, kann ich nicht sagen, aber über eine Strecke von fünf Kilometern ganz genau auf meine Atmung zu achten, bringt zumindest für mich ganz sicher etwas.

 

Und dann stehe ich vor einem Baum und denke über das Bild der Lunge nach. Dieser Baum hat Mispeln – sind das seine Emphyseme? Ist das so in meiner Lunge, dass es einfach Teile gibt, die schwer bis gar nicht mehr anzusprechen sind? Wie bei diesem Baum, wo auch ein Gewächs versucht, gewisse Teile zum Absterben zu bringen. – Mit dem Unterschied: Der Baum hat nie geraucht. Egal wie, ich werde versuchen, alle Teile meiner Lunge auch weiterhin mit Sauerstoff zu umspielen, vielleicht schnappt ja der eine oder andere Zweig etwas auf.

 

So wie ich hoffe, dass dieser Blog den einen oder anderen von euch erreicht und eine neue Idee zum Umgang mit der Krankheit COPD geben kann. Auf jeden Fall willkommen im Neuen Jahr!

..sie sind wieder da…

… die Berge an gelbem Laub.

19.11.2017  Der Prater wird aufgeräumt und das erinnert mich daran, dass es etwa ein Jahr her ist, seit ich mit Doz. Valipour die dritte Ventilimplantation beschlossen habe. Und ich bin froh darüber und dankbar, dass er es nochmals versucht hat.

 

Noch etwas hat mich ganz schön gefreut: die vielen Rückmeldungen zu dem kleinen Beitrag anlässlich des Welt-COPD-Tags auf Ö1. Toll, das brachte einige Hundert neue Besucher und deutlich über Tausend Seitenaufrufe – und dass bei einer kleinen privaten Initiative! Vielen Dank für das Interesse!

 

Aber zurück zum Herbstlaub im Prater. Ja, warum dachte ich heute an die Entscheidung für eine dritte Implantation der Ventile? Es war ziemlich kalt und leicht regnerisch, als ich heute losmarschierte, und trotzdem war es einfach gut – das wird mir umso mehr bewusst, wenn ich an den Herbst im Vorjahr denke, da erschien mir die Distanz zwischen den Laubhaufen immer größer zu werden. Von einem zum nächsten dauerte eine gefühlte Ewigkeit, wenn ich es überhaupt ohne Pause schaffte. Da ist es einfach richtig gut, wie sich das jetzt alles anfühlt. Zwar lese ich auch immer wieder in Foren, dass die Methode der Ventilimplantation noch nicht 100%-ig ausgegoren sei, dass es immer wieder Rückschläge gäbe. Ich kann nur sagen, ich bin heilfroh, dass ich es gemacht habe, und wenn nur die Hälfte meiner jetzigen Verfassung mit den Ventilen zu tun hat, jederzeit wieder!

 

Trotzdem habe ich gemerkt, dass der Rückweg heute schwierig und mit einigen Pausen gespickt war, und das wohl nicht nur, weil ich über das letzte Jahr nachgedacht habe. Ich vermute, der Körper muss sich erst an die Jahreszeit, an die kalte Luft gewöhnen.