Category Archives: Radfahren

…was ist da nur passiert…

…zwischen Juni 2014 und Juli 2018?

 

15.07.2018 – Hätte mir im Juni 2014 jemand gesagt das ich in 4 Jahren ein wahrer ‚Auslaufjunkie‘ sein werde, hätte ich ihn wohl für einen unter schweren Drogen stehenden Menschen gehalten, und das nicht nur ich. Meine Töchter wurden darauf vorbereitet, dass ich möglicherweise ein Pflegefall werden könnte, und ich hatte schon Angst wenn ich alleine die Stiegen hoch ging.

 

Heute werde ich schon unrund, wenn ich aus Zeitgründen nur eine kleine Runde in den Prater frühstücken fahren kann. Und mein Hinterstübchen fragt die ganze Zeit _ ‚…geht sich nicht doch noch die große Runde aus?…‘

 

Es ist mir wieder einmal bei einem Telefonat aufgefallen, dass hier erst oder schon vier Jahre vergangen sind, seit der ersten Intensivstation. Lang? kurz? Auf alle Fälle eine aktive Zeit in der ich sehr viel Hilfe/stellung bekam. Sei es medizinisch aber auch psychisch und physisch.  Und ich hatte mich entschlossen es mir ‚gut gehen‘ zu lassen. Ich wollte und will mir zeigen, dass ich noch einiges kann – ja wesentlich mehr als ich manchmal denke. Und all dieses Wollen entwickelt sich Schritt für Schritt.

 

Es ist wie bei einem Kleinkind, es lernt krabbeln, dann beginnen die ersten unbeholfenen wackeligen Schritte in Begleitung, nicht nur die Beine machen einem zu schaffen, die Koordination und dann auch noch das Gleichgewicht, eine wahre Challenge. Aber man versucht es immer wieder, und siehe da eines Tages lässt man den führenden Finger aus, und schafft die ersten Schritte alleine – Wohw!

 

Man probiert weiter, fällt zu Boden, leckt sich kurz die Wunden, lässt sich trösten, und schon geht es weiter. So oder so ähnlich denke ich oft ist es auch bei mir. Ich erreiche etwas, und schon denke ich an das Nächste. Ich kann zB. nun 40 km Rad fahren, das heißt mein nächstes Ziel ist eine Radtour der Donau entlang nach Hainburg. Dabei fahre erst seit gut eineinhalb Jahre mit dem Rad, und jetzt könnte ich mir ein Leben ohne mein geliebtes Rad kaum vorstellen. Ich denke für mich es ist einfach das Zusammenspiel vieler Faktoren, und natürlich eine Portion Glück.

 

Und ja ich habe/hatte Glück. Drei Intensivstationen überlebt, drei Anläufe für eine funktionierende Ventilimplantation, Ärzte, Therapeuten die mich begleiten, und meine Familie und Freunde die mein Tun unterstützen. Aber ich weiß auch, dass ich vor vier Jahren nur in Begleitung um den Hausblock gegangen bin.

 

Also machen wir lauter kleine Schritte, und versuchen uns an Unbekanntem, um siegreich weiter zu ziehen. In diesem Sinne frohes Schreiten!

…und wenn ich bis zum Mond fahre…

…wird das Vertrauen nicht mehr auftauchen.

 

08.07.2018 – So oder so ähnlich muss oder kann ich wohl den Moment meiner Tochter einschätzen. Und wenn dann noch so Aktionen wie die Nasenblutattake dazu kommen, ist es sofort weg, die Spur an Vertrauen, dass sich doch gerade erst so langsam aufgebaut hat.

 

Es kann immer etwas  sein, was ist wenn ihm die Luft wegbleibt oder er zu wenig Luft für den Rückweg hat, was passiert wenn er hinter meinem Sohn her muss oder sich aufregt. Ja alles berechtigte Gedanken und Sorgen. Und ich muss sie mir ja selber auch stellen, kann ich das, traue ich mir das überhaupt noch zu, und was ist im Ernstfall wirklich? Wie bringe ich meinem Enkel bei, dass er mit mir einfach anders umgehen muss, oder besser gesagt wir miteinander anders umgehen müssen. Ich bin ja wirklich oft erstaunt, dass er es ohnehin einfach tut. Auch ist es mittlerweile ganz normal wenn wir über mein ‚zu wenig Luft – und die kaputte Lunge‘ sprechen, was sich ein Vierjähriger darunter vorstellt entzieht sich meiner Phantasie.

 

Wie ist das nun? Wird meine Tochter je wieder die Sicherheit des Vertrauens bekommen?  – Meine Antwort lautet, –  leider nein. Zu tief glaube ich sitzt dieser Moment es könnte etwas passieren, und sie war zu nahe an dem Moment, wo mit mir etwas passiert ist.

 

Manchmal wenn ich so trainiere oder einfach auch meine ‚langen‘ Fahrradtouren machen, denke ich mir –‚… da schau her – was ich alles schaffe!‘ – und im selben Moment weiß ich, sie sieht das schon und bewundert das auch, aber es ändert nichts an der Situation des Vertrauens, tut es ja bei mir auch nicht. Ich werde mir nur eine Spur sicherer. Aber was ist, wenn ich mich aufrege, oder laufen muss? Dieses ganze trainieren und Rad fahren…, hat nur mit mir zu tun, das ist nur meine Sicherheit. Das Vertrauen, können wir glaube ich nur zu dritt schaffen, indem ich möglichst fit bin, mein Enkel darauf achtet dass Opa nicht alles so gut kann, und meine Tochter wieder schrittweise die Angst verliert, dass wieder etwas mit mir sein kann.

 

Warum schreibe ich das überhaupt heute? Ich war gestern mit dem Rad unterwegs – ‚Sonne, Regen, Wind, mein himmlisches Kind‘ – könnte man das ganze lächelnd umschreiben. Es war unglaublich wie leer die Donauinsel war, beinahe schon erschreckend. Aber wunderschön dieses Gefühl der Einzige zu sein, der hier der Donau entlang in Richtung Lobau radelt. Und dann in der Lobau dieser intensive Geruch nach dem Regen ich konnte kaum genug von dieser wunderbaren Luft bekommen. Einzig der Matsch war nicht so brauchbar für mein ‚Star‘ Bike. Ich bin immer wieder einfach nur überwältigt welch schöne Ecken Wien hat, und die ich alle entdecken darf. Und ich war gedanklich wieder einmal dabei zu sagen ‚…da schau her, was ich alles erleben kann!‘

 

Hier wieder einmal Fotos meiner Tour in die Wiener Lobau. Schöne Zeit

…man kann es auch übertreiben…

…60 km bei starkem Gegenwind an einem Wochenende sind zu viel…

 

01.07.2018 – Aus irgendeinem Grund hatte ich so nicht so viel Luft aber wollte dann doch am Samstag noch Radfahren, eh nur in den Prater. Der Wind war kalt und definitiv gegen uns. Die Hinfahrt ging ja noch aber am Schluss der Rückfahrt war bei mir die Luft draußen, im wahrsten Sinn des Wortes. Und ich hatte meinen Spray vergessen, was auch nicht die klügste Variante ist. Und eines sollte uns COPD Patienten auch bewusst sein, wenn wir schon zu Zweit unterwegs sind, und auch wenn unser Gegenüber weiß, dass wir COPD haben solche Situationen erzeugen eine gewisse Sorge und Angst. Ich muss auch sagen, ich habe weniger Probleme mit solchen Situationen wenn ich alleine bin, Ich kenn sie ja, und kann damit tun.

 

Sonntag in der Früh, war ich wild entschlossen wieder einmal zu meiner Tochter und meinem Enkel zu radeln. Es war abwechselnd heiß und kalt, da der Wind immer wieder auffrischte. Bereits am Weg zur Donauinsel überlegte ich ob das so klug ist, meine Beine waren ziemlich müde und schmerzten leicht. Aber da kam mir der Gedanke, wenn es zu viel wird, steige ich bei der Donaustadtbrücke in die U-Bahn. Das tat ich natürlich nicht, war ja dann doch nicht ‚so schlimm‘. Damit war aber klar jetzt gibt es kein Zurück mehr, und ich gaukelte mir vor in der Lobau wird schon kein Gegenwind mehr sein, was auch teilweise gestimmt hat. Dennoch wurden meine Muskeln kontinuierlich müder, und als mein Navi noch immer meinte es seinen noch 30 Minuten muss ich gestehen, habe ich mich schon gefragt, ob ich noch ganz dicht bin. So ähnlich bis noch ärger war es dann bei der Rückfahrt, ich brauchte für die 22 km 2 Stunden 40 Minuten – denn ich musste immer wieder rasten weil meine Beine und später auch meine Lunge nicht mehr konnten. Zu Hause angekommen war klar, das war eindeutig zu viel.

 

Ja ich trainiere kontinuierlich und wie viele vielleicht meinen, zu viel oder überdurchschnittlich lange, ich werde in Zukunft sogar für eine besondere Herausforderung trainieren, aber ich habe immer gesagt, dass was ich hier mache soll nur in Anreiz sein aktiv zu sein, keiner muss oder soll so trainieren. Es gibt zum Beispiel eine wirklich gute Seite wo leichte Trainingsübungen zu finden sind, die man gut in den Alltag integrieren kann. Mehr Luft hat außerdem noch eine Fülle von Information rund um die Erkrankung COPD und Lungenemphysem zusammengetragen.

 

Auch möchte ich nun niemand abschrecken, auch mal bei Gegenwind Rad zu fahren, aber man muss es nicht übertreiben. Und natürlich ist das was ich hier mache für mich auch ein psychisches Training, das mir einfach helfen soll, Situationen die schwierig werden besser zu meistern. Ich habe zuletzt ein Interview mit Russell Winwood über seinen ersten Triathlon gehört, in dem er erzählte, dass er in der Umkleidekabine nach dem Radfahren, einfach nur mehr auf den Boden gestarrt hat und sich einzureden versuchte, dass es jetzt genug ist und er eh doch einiges erreicht hat. Da hat ihn sein Trainer angesehen und gesagt – bist du dafür hergekommen? Zieh dich an und raus! Ja ein wirklicher Tritt in den Hintern. Aber er war im Endeffekt glücklich, dass Rennen fertig gemacht zu haben, denn er wusste nun er schafft so etwas.

 

Also bleibt einfach aktiv, und das kontinuierlich – schöne Zeit und wenig Gegenwind!

…da ist was dazwischen gekommen…

…ja da ist mir meine Nase dazwischen gekommen,…

 

17.06.2018 – …die meinte sie muss jetzt mal so richtig bluten – bis ich mit der Rettung ins Spital kam, und das gleich drei Mal hintereinander.

 

Und beim dritten Mal ist mir etwas gelungen. Die Situation war zwar echt alles andere als aufbauend sondern eher wirklich grauslich, aber da saß ich nun mit meiner Nierenschale unter der Nase und begann mir Mandala mäßig zu erklären

 

‚alles wird gut‘
‚der weiß schon was er tut‘
‚und du kannst einfach nichts besseres beitragen als ganz ruhig zu atmen‘

‚alles wird gut‘
‚der weiß schon was er tut‘
‚und du kannst einfach nichts besseres beitragen als ganz ruhig zu atmen‘

Ich weiß nicht wie lange ich das dann praktiziert habe, aber irgendwann war ich wieder an der Reihe, und während der Arzt seines Berufes nachkam – bin ich einfach nur stoisch dagesessen  –‚du kannst nichts besseres beitragen als ganz ruhig zu atmen, einfach ganz ruhig atmen, – du kannst nichts Besseres beitragen als ganz ruhig zu atmen, einfach ganz ruhig atmen ‘…. und irgendwann hat er dann meine Nase ausgelassen.

 

Jetzt einige Tage später ist meine Nase zwar noch immer mehr verbogen als ohnehin, aber ich kann zumindest teilweise wieder über beide Nasenlöcher atmen. Und das nutze ich doch gleich für eine kleine Radtour. Schöne Zeit und genießt den Sommer!

…ich kann jetzt nicht anders…

…Gedanken an eine wunderschöne Reise…

 

20.05.2018 – Ursprünglich wollte ich etwas ganz anderes erzählen, aber dieses Wochenende stand meine erste längere Radtour in diesem Jahr auf dem Programm (insg. 44 km, mit einem Zwischenstopp) – und es war einfach nur wahnsinnig schön.

 

Ich komme immer wieder darauf zu sprechen, dass ich den Eindruck habe, dass ich die Welt seit meinen Aufenthalten in der Intensivstation viel intensiver, viel einzigartiger wahrnehme. Ich würde mir wünschen, dass es nicht eines solchen Erlebnisses bedarf und dass ganz viele Menschen diese besondere Wahrnehmung ebenso einfach genießen können. Auf jeden Fall, fiel es mir überraschend leicht, die wenigen Steigungen hochzuradeln – vielleicht auch einfach eine Auswirkung der Reha, und die Eindrücke selbst sind nur atemberaubend.

 

Zwar war es am Morgen noch ziemlich kalt. Aber in der Sonne begannen sich die Temperaturen bald zu bessern, und der frühen Zeit angemessen war ich fast alleine auf meinem Fahrradweg. Die Fischer entlang der Donau waren dabei, ihre Sachen zusammenzupacken, und die Sonne lackierte die Wasseroberfläche mit einem morgendlichen Glanz.

 

In der Lobau wechselte der Geruch von Sonnenschein zu Schatten, von tief, schwer und feucht zu hell und beschwingt. Die Farben zeigen, dass jetzt der Frühling wirklich da ist. Und ich in all dem – mittendrin! Unglaublich! Und unglaublich dankbar.

 

Denn wenn ich denke, 2014, also vor fast exakt vier Jahren bin ich das erste Mal auf der Intensivstation gelandet und konnte danach ohne Begleitung kaum um meinen Häuserblock gehen. Und jetzt radle ich an Feldern vorbei, die aussehen, als wären sie Bildnisse von Monet, höre das Quaken der Frösche, genieße die wirklich unglaubliche Schönheit der Natur!

 

Ich hoffe, ich kann wenigstens einigen von euch Mut geben: Bitte, bewegt euch, wenn auch nur ein wenig, ein wenig mehr jeden Tag – ihr werdet sehen, es lohnt sich! Ich kann euch nur wünschen, dass ihr es eines Tages auch so genießen könnt.

 

Hier nun mal Fotos dieses wunderschönen Ausflugs. Genießt die Zeit!

…überlege was dich aufblühen lässt…

…dem gehe nach…

 

13.05.2018 – Nachdem ich ja zurzeit wieder einmal auf Reha bin, frage ich mich oft wie es denn den Therapeuten so ergeht, was sie wohl denken oder fühlen, wenn sie tag täglich mit kranken, und oftmals nicht gerade beweglichen Menschen zu tun haben. Nervt das nicht irgendwie, immer wieder auf dasselbe hinzuweisen? Also habe ich mal die Gelegenheit beim Schopf gepackt und einen dieser Therapeuten interviewt.

 

Warum bist du überhaupt Therapeut geworden?
In meinem persönlichen Fall war es so, dass ich schon während meines damaligen Studiums bei einer Versicherung tätig war und mir relativ schnell klar wurde dass ich diese Art von Tätigkeit nicht mein Leben lang machen kann. Ich wollte etwas das mehr „Sinn“ macht und wenn möglich auch etwas mechanischer / körperlicher. Mein damaliger Tanztrainer war Osteopath und so hab ich dann umgesattelt. Er hat gleich gemeint dass Physiotherapie als Grundausbildung am besten ist weil man dann rechtlich mehr darf.

 

Was ist eigentlich die größte Schwierigkeit /Herausforderung in deinem Beruf?
Das kann ich so nicht beantworten, denn das verändert sich im Laufe der Zeit. Die ersten Jahre habe ich – wie so viele andere Therapeuten auch – zuerst einmal das Helfersyndrom ablegen müssen / dürfen. Zu verstehen dass das nicht nur für mein Überleben essentiell ist sondern auch dem Patienten extrem viel Würde und Selbstbestimmung zurückgibt war da sicherlich ein ganz wichtiger Punkt. Zur Zeit finde ich es besonders herausfordernd in dem ganzen Zoo von therapeutischen Techniken und Möglichkeiten mich nicht zu verlieren sondern meinen Stärken treu zu bleiben. Ich muss nicht jede Technik können, aber was ich mache will ich gut machen.

 

Welche Erwartungen hast du an deine Patienten?
Eigentlich keine. Ich versuche Patienten dort abzuholen wo sie sind. Sie müssen also keine Vorleistung bringen. Das gelingt mir manchmal besser manchmal weniger gut.

 

Was sind eigentlich die häufigsten Fehler die Patienten in der Reha machen?
Fehler gibt es hunderttausende 😉 Die häufigsten Fehler sind auch nicht unbedingt die gravierendsten. Ich will es mal positiv formulieren: Das meiste aus der Therapie mitnehmen kann ein Patient wenn er seinen Verstand nicht an der Schwelle zurücklässt, den Therapeuten Fragen stellt und immer wieder selbst reflektiert: „Was von der Therapie tut mir gut und was nicht“. Manchmal sind es Kleinigkeiten die aus einer mittelmäßigen Reha eine sehr gute machen – aber diese Kleinigkeiten muss man finden!

 

Wie gehst du mit Patienten um die eher widerwillig die Reha machen?
Das ist natürlich auch intern ein großes Thema. Ich versuche wie schon oben erwähnt jeden Patienten dort abzuholen wo er / sie steht. Das gilt auch für „schwierige“ Patienten, die meistens die größten (seelischen) Bedürfnisse haben. Wenn ich die Not bzw. das Bedürfnis hinter dem Verhalten sehen kann dann geht es mir persönlich schon mal wesentlich besser. Echter Widerwille kommt allerdings nicht so häufig vor wie man vielleicht denkt. Wenn jemand wirklich nicht will dann reden unsere Ärzte auch mit  ihn/ ihr und brechen die Reha lieber ab.

Ein größeres Problem stellt meiner Meinung nach eher das typische „Raunzen“ dar – ohne echten Widerwillen – aber doch runterziehend und destruktiv. Dagegen hab ich noch kein Mittel gefunden 😉

 

Gibt es etwas dass du Patienten gerne auf den Weg geben willst?
Es gibt mehr auf der Welt als Medikamente, Op’s und Therapien. Das tiefste Bedürfnis jedes Menschen ist es geliebt zu werden und selbst sein Leben zu geben für eine größere Sache. Suchen Sie was sie zum Aufblühen bringt und gehen sie ihm nach.

 

 

Danke für deine Zeit und Gedanken
Gerne.

 

Ich hoffe das Interview hat gefallen, ich schicke euch allen viel Sonne und genießt die Zeit.

 

…ich hab ein knall rotes Gummiboot…

…und mein Fahrrad das kann fliegen.

 

29.04.2018 – Ich habe ja erzählt dass ich immer wieder beim Training in meine Phantasie reise. Auch habe ich immer wieder das Problem, dass mir beim Ausdauertraining mein Puls davon läuft.

 

Letzte Woche konnte ich ihn austricksen, und zwar so richtig.

 

Auf meiner Reise startete ich wieder einmal aus der Vogelperspektive, und flog über die Straßen gleitete in die Kurven, entlang von  steilen Klippen, durch Felstunnel, bis ich wieder auf meinem imaginären Fahrrad saß. Ich habe meist so nach 10 Minuten meine schwierige Bergstrecke zu bewältigen, da geht dann der Puls auch steil bergauf, und die Atmung hat Schwierigkeit den Rhythmus zu finden. Doch diesmal war das Timing perfekt, ich erreichte die Anhöhe noch bevor es richtig anstrengend wurde, dann ging es bergab, ganz leicht mit ganz viel Fahrtwind ruhig hinunter zum Fluss und entlang von Gräsern, Schilf raus auf das Wasser, mit meinem kleinem roten Tretboot. So strample ich der Sonne entgegen. Interfunktionales treten nenn ich das, egal ob als Flugzeug, Fahrrad oder Tretboot, da gibt es sicher noch mehr ‚tretbare‘ Fortbewegungsmittel. Besondere Aufmerksamkeit widmete ich den Umdrehungen, immer wenn der Puls nach oben zu wandern begann, wurde ich langsamer und siehe da der Puls blieb ziemlich konstant im 130er Bereich, so erreichte ich zwar durchgeschwitzt aber glücklich nach 35 Minuten mein Ziel.

 

…eigentlich wollte ich nur Frühstücken fahren…
….aber dann war der Ruf der Sonne doch zu stark.

 

Sonntagmorgen, ab in den Prater (mit einem Lied im Kopf) durch die stille Stadt und die ganze  Hauptallee entlang, einfach herrlich,  in die Sonne blinzeln und frühstücken inklusive. Da konnte ich dann einfach nicht wieder nach Hause fahren. Also, gestärkt und munter ging mein Weg an die Donau, ich wollte eigentlich nur schauen wie viel Gegenwind ich denn wohl hätte. Na ja – schien ja nicht so viel, also hatte ich keinen Grund umzudrehen. Somit wieder einmal ab zum Kraftwerk Freudenau. Und irgendwie bin ich dann doch ganz schön stolz auf mich, wenn ich sehe das gesunde Menschen ihre Fahrräder die Steigung hoch schieben, und ich es schaffe hoch zu fahren, auch wenn ich dann keuche und eine Pause machen muss.

 

Danach zügelte ich allerdings meinen Bewegungsdrang und machte mich doch auf dem Heimweg, was im Endeffekt ganz schön gut war, da zu Hause dann meine Beine dann doch etwas müde waren. Aber es war wunderschön.

 

Hier ein paar Bilder, wünsche viele Sonnenstrahlen und genießt die Zeit.

…auch eine Form von zu Hause…

…nächste Reha hat begonnen.

 

22.04.2018 – Es ist schon schön zu sehen und zu spüren, wenn man willkommen ist. Seit letzter Woche bin ich wieder in der ambulanten Reha in der Therme WienMed in Oberlaa. Daher habe ich heute mal noch keine Geschichte für euch, sondern nur die Fotos vom letzten Radausflug  mit meiner Tochter, der zumindest mir, einen veritablen Sonnenbrand bescherte.

Ps: Es tut einfach gut wieder einmal unter Anleitung in einer Gruppe zu trainieren, und neue Impulse zu bekommen. Natürlich ist es einfach auch dieses … ‚schön Herr Jordan dass sie wieder da sind‘… das gibt schon Kraft, klar ich bin ja mittlerweile schon fast so etwas wie ein ‚Stammgast‘. Und gerade wenn es etwas schwieriger ist, helfen diese Umgebung, die Menschen und auch der Terminplan dann doch, konsequent dabei zu bleiben, auch einmal aus dieser Situation auszusteigen und zumindest zu versuchen für kurze Zeit, ganz beim Training zu sein.

…endlich wieder radfahren…

…natürlich mit einem alten Bekannten…

 

15.04.2018 – Mit Hermann van Veen’s ‚Kleiner Fratz‘ im Kopf geht es los, unbeschwert und Sonne am Kopf und im Herzen. Nach mehr als 30 Kilometer ist dann weder von der Sonne noch von unbeschwert etwas geblieben, sondern die Gewissheit dass ich morgen einen handfesten Muskelkater haben werde,  hat gesiegt. – schön war es trotzdem.

 

Schon bemerkenswert, wie sehr anders sich eine Stadt sonntagmorgens bei schönstem Wetter anfühlt, oder war es einfach ein bisschen Übermut. Wahrscheinlich beides,  irgendwie schläft sie noch und die wenigen die sich auf die Radwege verirren, grinsen ebenso dämlich vor sich hin wie ich. Muss die Frühlingsdroge sein die in der Luft liegt.

 

Nach meinem Frühstückstop und der ersten kleineren bergauf Strecke, traf ich auf einen alten Bekannten, meinen geliebten Gegenwind. Der scheint einfach an der Donau beheimatet zu sein, und darauf zu warten dass ich komme. Da bemerkte ich doch, dass ich schon länger nicht mehr im realen Leben Rad gefahren bin, und meine Muskeln doch etwas mehr beansprucht werden. Interessanter Weise war es tatsächlich nicht so sehr die Luft die fehlte, als wirklich die Muskulatur meiner Beine. Und irgendwann war dann doch die Frage ob dies so eine gute Idee war, da noch die ganze Retourstrecke anstand. Aber was soll es, auf der Donauinsel gibt es keinen Shuttleservice. Also durch da, die letzten Kilometer schmerzten meine Beine dann doch einigermaßen, vor allem, nachdem es nur mehr ‚bergauf‘ ging. – geschafft habe ich es trotzdem und weiß nun, dass da schon noch einiges an Training von Nöten ist.

 

 

Ps. Die Lösung für das Rätsel der Blumen vom letzten Mal – diese rosa Blumen heißen Schuppenwurz! die Schuppenwurz zapft mit ihren Saugwurzeln die Wurzeln ausdauernder Pflanzen,  hauptsächlich Erle, Hasel, Pappel an und entzieht diesen Wasser, Nährsalze und organische Substanzen. Sie ist somit ein Vollschmarotzer, braucht kein Sonnenlicht und kann im dunklen Wald wachsen.